Wie man zerfallende Myonen sieht

In dieser historischen Nebelkammeraufnahme [5] tritt ein hochenergetisches Myon aus Kosmischer Strahlung von oben kommend in eine Nebelkammer ein und hinterlässt eine Spur. Es durchdringt eine Bleiplatte, wird abgebremst (dickere Spur), kommt zur Ruhe und zerfällt einige Mikrosekunden später in ein geladenes Teilchen (Elektron oder Positron) und in zwei unsichtbare Neutrinos.
Mit dem im Kapitel Myonnachweis beschriebenen einfachen
experimentellen Aufbau
lassen sich Myonenzerfälle gut beobachten.
Wenn ein Myon den Zylinderszintillator durchquert, so erzeugt es - wie
bereits diskutiert - einen einzelnen Spannungsimpuls.
In seltenen Fällen - ungefähr bei einem aus 300 - 400 nachgewiesenen
Myonen - ist das eindringende Myon so langsam, dass es im Zylinder zur Ruhe
kommt und einige µs später zerfällt.
Dieser Zerfall wird oben im Nebelkammerbild gezeigt.
Das dabei auftretende Elektron (oder Positron) erzeugt im Szintillator
ein zusätzliches Signal, welches mit einer Verspätung von
einigen µs in Erscheinung tritt.
Das Oszillographenbild eines zerfallenden Myons zeigt zwei, um
einige µs voneinander getrennte, Signale.
Der zeitliche Abstand dieser beiden Signale heisst "individuelle" Lebensdauer (ti) des Myons. Diese kann mit Hilfe des eingebauten Cursors am Ozilloskop manuell gemessen werden.

Typisches Signal eines zerfallenden Myons. Der erste Impuls stammt von dem in den Szintillator eindringenden Myon und der zweite von dem etwa 1.7 µs später auftretenden Zerfalls -Elektron (-Positron) Horizontal Zeitbasis: 1 µs/cm; Vertikal Impulshöhe : 2 V/cm
Die Messung der mittleren Lebensdauer der Myonen
Myonen verhalten sich wie radioaktive Teilchen, welche zerfallen. Um deren mittlere Lebensdauer zu messen, können wir aber nicht eine aus Myonen bestehende Probe beobachten, wie das beim Umgang mit radioaktiven Präparaten der Fall ist. Unsere Methode besteht darin, eine gewisse Anzahl von Myonen einzufangen, ihre individuellen Lebensdauern zu messen und die Häufigkeitsverteilung dieser Werte in geeigneter Darstellung zu interpretieren.
Zur Messung der mittleren Lebensdauer werden Myonsignale - wie vorgehend geschildert -
mit Hilfe eines getriggerten LCD Oszillographen beobachtet und deren
Lebensdauern von Hand ausgemessen.
Mit einem LCD Oszillographen lässt sich eine grössere Anzahl von
nacheinander eintreffenden Zerfallsereignissen auf dem Bildschirm
festhalten und gemeinsam auswerten.
Auf diese Weise wurden 155 Werte individueller Lebensdauern
von im Zylinder gestoppten Myonen, welche innerhalb eines
Zeitintervalls von 1 ... 10 µs zerfielen, gesammelt.
Man erwartet somit, dass die Aktivität der "Probe" mit der Zeit t nach dem Zerfallsgesetz
A(t) = A0 e-(t/
t)abnimmt.
Die Zahlenwerte für A(t) erhalten wir, indem wir mit Hilfe des Computers aus dem Datensatz der gemessenen Lebensdauerwerte
ti diejenigen Myonen zählen, die während der ersten und der zweiten, der zweiten und der dritten, der dritten und der vierten . . . usw µs nach dem Eintreffen des Trigger Signals zerfallen sind. Die so berechneten Häufigkeiten entsprechen dann direkt der Aktivität A(t) der fiktiven Probe.
Die Häufigkeitsverteilung der Anzahl zerfallener Myonen. Sie zeigt die Anzahl derjenigen Myonen, die zwischen der ersten und der zweiten, der zweiten und der dritten etc. Mikrosekunde nach Eintreffen des Trigger Signals zerfallen sind. Die Gesamtzahl aller registrierten Zerfälle, N1 = 155 entspricht der Summe aller dargestellten Ereignisse.
Die Ergebnisse sind in der Tabelle aufgelistet und als Histogramm dargestellt.
Hinweis:Weil es unmöglich ist, im Oszillographenbild die mit Lebensdauern < 1 &miro;s auftretenden Myonsignale voneinander zu trennen, haben wir alle in diesem Zeitraum auftretenden Zerfälle ignoriert. Somit beginnt im Histogramm die Aufzeichnung der Daten erst nach der ersten µs. Dieses Vorgehen ist gerechtfertigt, denn auf Grund der Annahme eines exponentiellen Zerfallsgesetzes ist der Beginn des Beobachtungsintervalls bedeutungslos.
| Messung Nr. | Zeit µs | A(t) | ln(A) | D |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 1.5 | 55 | 4.01 | 0.54 |
| 2 | 2.5 | 35 | 3.56 | 0.61 |
| 3 | 3.5 | 23 | 3.14 | 0.65 |
| 4 | 4.5 | 18 | 2.89 | 0.68 |
| 5 | 5.5 | 12 | 2.48 | 0.72 |
| 6 | 6.5 | 5 | 1.61 | 0.72 |
Die unten gezeigte halblogarithmische Darstellung der Aktivitätswerte als Funktion der Zeit bestätigt durch ihre Linearität die Gültigkeit des radioaktiven Zerfallsgesetzes.
Aus der Steigung der mit den statistischen Fehlern gewichteten Regressionsgeraden [9]t
= 2.44 ± 0.3 µs Dieses Ergebnis stimmt mit dem Literaturwert [7,8] von t = 2.197± 0.007µs überein.
| Ort | PDG | Uni Basel | KS Winterthur | Gym. Oberwil | Gym. Bäumlihof | Dt. Gym. Biel |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Lebensdauer (µs) | 2.197± 0.007 | 2.37±0.37 | 2.20±0.02 | 2.14±0.4 | 2.20±0.15 | 2.29±0.35 | contact | webpage | H.Mühry | M.Berta | P.Huber | P.Nyikos | M.Lehner |
Wenn Sie an Ihrer Schule Messungen der Myon-Lebensdauer durchführen, so können Sie Ihre Ergebnisse hier publizieren.Contact H.Mühry.