"Von der „Notverfilmung“ zur filmischen Autorenschaft. Der ethnografische Film in der Schweiz und die Filme der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde 1960-1990."
Abstract
Die Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde (SGV) ist die wichtigste Produzentin von ethnografischen bzw. volkskundlichen Filmen in der Schweiz. Dieser in ethnografischer, soziologischer, filmwissenschaftlicher und historischer Hinsicht reiche Fundus wurde bisher nie systematisch ausgewertet. Das Projekt hat zum Ziel, die Filme, die im Rahmen der SGV zwischen 1960 und 1990 entstanden sind, zu analysieren (1) zu kontextualisieren (2) und zugänglich zu machen (3).
1) Das Hauptziel ist die Analyse und Darstellung der thematischen, formalen, personellen und methodischen Entwicklungslinien und Paradigmenwechsel in der filmischen Arbeit der SGV. Warum und wie werden Themen lanciert, werden Menschen, ihre berufliche Tätigkeit und ihr Umfeld dargestellt? Hierbei sollen technische, filmästhetische, biografische und fachgeschichtliche Komponenten berücksichtigt werden.
Die Analyse des ganzen Filmkorpus bedingt dessen Einbettung in andere filmethnografische Arbeiten, das Aufzeigen von Interdependenzen zwischen der SGV-Produktion, nationalen wie internationalen Filmen. Die Evaluation der Wechselwirkung von filmischer Praxis der SGV und dem wissenschaftlichen Diskurs in der Ethnologie, Volkskunde und visuellen Anthropologie wird die Filme in einem weiteren Umfeld situieren. Sowohl in der fachlichen Diskussionen über Möglichkeiten und Begrenzungen der filmischen Darstellung von anthropologischem Wissen, wie auch in der filmischen Praxis widerspiegeln sich epistemologische Kernfragen der Anthropologie, die mit Begriffen wie Krise der Repräsentation, Autorenschaft, Konstruktion und Objektivität angedeutet sind.
2) Die Entstehungsumstände und die Rezeption vieler Filme der SGV sind kaum bekannt, deswegen ist deren Rekonstruktion eine wichtige Vorausaussetzung für die Analyse der Filme. Hierbei soll neben der Auswertung der bestehenden, allerdings beschränkten, Quellen auf qualitative Interviews mit ehemaligen Beteiligten zurückgegriffen werden. Im Fokus des Erkenntnisinteresses steht dabei vor allem der Wandel der filmischen Arbeit im Rahmen des SGV Ende der 60er Jahre, als eine neue Generation von Filmschaffenden (z.B. Yves Yersin, Claude Champion, Eduard Winiger) sich von alten Prämissen löste und neue schuf.
3)Die Filme werden als DVD ediert. Angestrebt ist eine über ein engeres Fachpublikum hinausgreifende gedruckte Publikation, die erste, welche historisch-kritisch dem ethnografischen Film in der Schweiz gewidmet ist. Sie wird einen Grundstein legen zur Geschichte der Visuellen Anthropologie und des ethnografischen Films der Schweiz.
Zum Eintrag in der Forschungsdatenbank der Uni Basel
Andere Projekte:
Kultur und Politik. "Volkskultur" zwischen Wissenschaft, kultureller Praxis und (kultur-) politischer Förderung
|
|