Lernstörungen
Die Module „Lernstörungen“ und „Begabungsförderung“ sind die Endpunkte eines Kontinuums von Lernleistungen. Während das Modul „Lernstörungen“ diejenigen SchülerInnen thematisiert, welche spezielle Unterstützung in ihren Lernprozessen brauchen, geht das Modul „Begabungsförderung“ auf das andere Extrem ein: unterforderte SchülerInnen, welche teilweise ähnliche Symptome entwickeln wie überforderte Kinder.
Schwierigkeiten beim Erwerb oder Gebrauch von Lerninhalten entstehen in einem komplexen Bedingungsgefüge von individuellen und externen Faktoren.
Kinder mit Lernschwierigkeiten haben schlechtere Vorkenntnisse. Sie wissen weniger über effektive kognitive Strategien wie beispielsweise Problemlösestrategien und können sie weniger gezielt einsetzen. Lernschwache SchülerInnen schätzen die Erfolgschancen in einer konkreten Lernsituation als so gering ein, dass ein Eigenengagement als aussichtslos erscheint.
Der Schulunterricht trägt oft aktiv zu den Problemen der Kinder bei. Langsameren Kindern wird häufig zu wenig Lernzeit zugestanden, da sich das Lerntempo in einer Klasse meist am unteren Durchschnitt orientiert. Lernschwache Kinder sind überfordert, wenn sie schlecht verständliche Aufgabenstellungen erhalten, wenn ihre Lernwege nicht überwacht werden und wenn sie keine Rückmeldungen und Hilfestellungen erhalten. Lernschwierigkeiten werden zusätzlich durch ein ungünstiges Unterrichtsklima, problematische Peer-Group-Beziehungen und Beeinträchtigungen im Elternhaus begünstigt.
Zugleich muss erkannt werden, dass eine der zentralsten Funktionen der Schule, die Selektionsfunktion, zwangsläufig dazu führt, dass ganze SchülerInnengruppen als lernschwach betitelt werden. Die schulorganisatorischen Abläufe, gekoppelt mit gesellschaftlichen Diskriminierungsprozessen (siehe Diskussion zu den Bereichen Gender und Ethnizität) führen unter bestimmten Umständen ebenfalls einer inhaltlich unhaltbaren Kategorisierung von SchülerInnen als ‚lernschwach’.
Aus diesen Gründen steht die Schule sowohl vor der Aufgabe, lernschwache Kinder vielfältig zu stützen, als auch ein besonderes Augenmerk auf diesbezügliche organisatorische bzw. gesellschaftliche Diskriminierungsprozesse zu richten.