Interkulturalität

Der Bereich der Interkulturalität benennt die Heterogenität der kulturellen Herkunft von Schülerinnen und Schülern. Die Schule ist konfrontiert mit Angehörigen vieler, sehr unterschiedlicher Kulturen. Lange Zeit wurden die Normen und Werte der dominierenden Kultur unreflektiert weitergegeben, einschliesslich der zugehörigen Höherwertigkeitsvorstellungen. Diese Höherwertigkeitsvorstellungen der okzidentalen Kultur sind tief verankert und prägen mit einer damit einhergehenden kulturellen Einseitigkeit die bürokratischen und alltäglichen Denk- und Verhaltensstrukturen, auch die der Schule. Mögliche Auswirkungen in der Schule sind beispielsweise die Segregation von ausländischen Kindern in ‚Vorbereitungsklassen’ - mit allen negativen Folgen der Segregation - und Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien, welche sich allein mit der einheimischen Geschichte und Kultur auseinander setzen. Die Schule pflegt zugleich weiterhin ihre mittelschichtgeprägte Monokultur.

Die Schule will die Lebenschancen ausländischer Kinder erhöhen, was ein gewisses Mass an Assimilation, an Anpassung an die Mehrheitskultur erfordert. Diese Assimilation basiert aber gleichzeitig auf einem monokulturellen Bild, welches die Herkunftskultur der Kinder ausblendet und ignoriert.

Die interkulturelle Pädagogik anerkennt die Verschiedenheit, Gleichwertigkeit und Prozesshaftigkeit der Kulturen. Sie will das Bewusstsein der eigenen kulturellen Identität stärken und durch die Kenntnis der eigenen Kultur eine vertiefte, von Respekt geprägte Auseinandersetzung mit anderen Kulturen ermöglichen. Die Anerkennung anderer Kulturen schliesst Kritik an deren Schattenseiten nicht aus (welche alle Kulturen haben). Die Verschiedenheit der Kulturen anzuerkennen, heisst anzuerkennen, dass Menschen kulturell variabel geprägt sind und diese sowohl hinterfragbare wie auch heterogene Prägung spezifische Möglichkeiten und Grenzen mit sich bringt.