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Speierling (Sorbus domestica, Rosaceae) Grosser Speierling in Westhalten (Dép. Haut-Rhin, F)Der Speierling ist ein einheimischer Waldbaum und zugleich eine alte Kulturpflanze. In beiden Fällen ist er ausgesprochen selten und daher stark gefährdet. Er kann leicht mit der viel häufigeren Vogelbeere (Eberesche, Sorbus aucuparia) verwechselt werden.
Häufigkeit
Wilde Speierlinge wachsen in Eichenmischwäldern, vor allem auf kalkhaltigen Ton- und Lehmböden, oft zusammen mit Elsbeere (Sorbus torminalis). Eine Zählung im Frankfurter Raum ergab 1977/78 328 Exemplare. In Sissach waren 1983 6 Exemplare bekannt, bei insgesamt 83'300 registrierten Waldbäumen. In Baden-Würtemberg wurde 1992 der Bestand noch auf einige hundert Wildexemplare geschätzt.
Areal
Die Art ist relativ weit verbreitet: Nordwestafrika, Ostspanien, Frankreich, Italien, Mitteleuropa, Südosteuropa und Balkan, Krim, Nordanatolien. Sie gilt in unserem Gebiet als urwüchsig. Einbürgerung in früherer Zeit ist unwahrscheinlich, da die Pflanze schlecht keimt.
Keimung
Die Samen benötigen eine niedrige Keimungstemperatur. Eine Keimung ist nur möglich, wenn die keimungshemmenden Stoffe des Fruchtfleisches völlig entfernt sind. In der Natur geschieht dies im Vogeldarm oder durch Verwesung des Fruchtfleisches während des Winters.
Rückgang
Junggehölze lassen sich nur schlecht verpflanzen. Eine natürliche Verjüngung findet bei uns kaum statt; der Speierling wird immer seltener. Dieser Rückgang ist schon seit längerem bekannt. Es gibt daher verschiedene Bemühungen um Schutz und Wiederansiedlung, sowohl für Wald- wie für Feldspeierlinge.
Kulturgeschichte
Der Speierling ist vor allem im Mittelmeergebiet schon lange in Kultur. Der griechische Botaniker Theophrast (387-321 v. Chr.) unterscheidet runde, wohlriechende und süss schmeckende Früchte von eiförmigen, die weniger gut duften und sauer schmecken. Noch heute werden Sorten mit apfelförmigen (var. pomifera) und solche mit birnenförmigen Früchten (var. pyrifera) unterschieden.
Der Römer Columella (1. Jh. n. Chr.) macht Angaben über die Lagerung der Früchte. Im Mittelalter war der Speierling in Deutschland ein wichtiges Kulturgehölz. Früchte
Essbar sind die Früchte nur überreif, wenn sie bereits eine teigige Konsistenz erreicht haben. Sie werden heute vor allem dem Apfelwein zur Geschmacksbereicherung zugesetzt und bewirken gleichzeitig eine längere Haltbarkeit. Man setzt dem Apfelmost etwa 1% Speierlingsmost zu.
Holz
Das Holz ist feinfaserig, schwer, mittelhart, biegsam, dauerhaft und nur wenig schwindend. Es ist blass lachsfarbig wie dasjenige anderer Sorbus-Arten, z.B. von S. aria oder S. torminalis. Eine Verwendung ist möglich in der Schreinerei, Drechselei und Holzbildhauerei. Schrauben und Spindeln von Weinpressen wurden oft aus Speierlingsholz gefertigt.
Grosse Exemplare
Die grössten Speierlinge in der weiteren Region Basel befinden sich in der Nähe von Badenweiler (BRD) (zwei eschengrosse Exemplare). In Nyon (CH) gibt es eine Speierlingsallee. An beiden Orten werden die Früchte auch heute noch zum Schnapsbrennen verwendet.
In Westhalten (F) steht ein grosses Exemplar in einem Obstgarten oberhalb des Dorfes (Weg vom Friedhof aus talaufwärts, nach etwa 200 m grösster Baum in der Obstwiese links unterhalb des Weges). Basler Exemplare
In Basel ist nur ein einziges grösseres Individuum bekannt. Es steht im Botanischen Garten Brüglingen (unterhalb der Villa Merian, am Rand des Kräutergartens). Im Rahmen einer Naturschutzaktion wurden Mitte der 90er Jahre etliche Jungbäume gepflanzt, die aber alle noch nicht fruchten: im Kannenfeldpark, im Botanischen Garten beim Spalentor, beim Bethesdaspital, an der Wiese gegen Riehen, am Dorenbach (gegen Allschwilerweiher) und am untersten Birsufer (Basler Seite).
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