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Jacques Blondel
James Aronson
Biology and Wildlife of the Mediterranean Region
Oxford University Press, Oxford– New York 1999
328 S.
ISBN 0-19-850035-1 (Paperback)
ISBN 0-19-850036-X (Hardback)
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Das ist endlich die moderne ökologische Übersicht über den Mittelmeerraum, auf die viele schon lange gewartet haben! Die Aufgabe, ein solches Buch zu schreiben, ist angesichts der immensen Fülle an publiziertem Material und angesichts der hohen Artenzahlen (allein rund 25000 Pflanzenarten) entmutigend. Die Autoren, ein Ornithoökologe (J.B.) und ein Vegetationsökologe (J.A.), haben es gewagt – mit dem Mut zur Lücke, und wir dürfen uns glücklich darüber schätzen. |
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Der Titel trifft den Inhalt nicht genau. Es ist ein Buch über generelle Aspekte der Ökologie und der Biodiversität des Mittelmeerraums. Berücksichtigt werden in erster Linie terrestrische Lebensräume, aber auch solche des Süss- und Brackwassers. Vom Mittelmeer selbst wird nur das Litoral gestreift. Die Fülle der besprochenen Aspekte kann hier nur angedeutet werden. Sie reichen von den erdgeschichtlichen, faunen- und florengeschichtlichen Determinanten der gegenwärtigen Biodiversität (Stichwort «Schmelztiegel») über Versuche der Grossgliederung der mediterranen Lebensgemeinschaften bis zur Untersuchung des «wandernden Mosaiks» als Kennzeichen und Bedingung der mediterranen Biodiversität. Ein grosses und liebevolles Kapitel ist der «10000-jährigen love story des Menschen mit dem Mittelmeerraum» gewidmet, die für das Verständnis des heutigen Zustandes bis ins Detail hin unerlässlich ist. Dabei verstehen es die Autoren, simple Vorurteile über die Waldvernichtung – die im übrigen keineswegs beschönigt wird – durch differenzierte Betrachtung aufzulösen. Erfrischend auch, dass die in den letzen Jahrzehnten herrschende Auffassung der – nicht bestrittenen – konvergenten Anpassungen in den verschiedenen Weltregionen mit mediterranen Ökosystemen (Kalifornien, Chile, Südafrika, Australien, Mittelmeerraum) anhand von florengeschichtlichen Beispielen kritisch hinterfragt wird. Eine Fülle spannender Details bietet das Kapitel über mediterrane life-history-Aspekte. Düstere Aussichten bietet das Kapitel über die ökologische Zukunft des Mittelmeerbeckens, vor allem an seinem Südrand, wo Übernutzung und Desertifikation rasant voranschreiten. Besser sind die Aussichten für den wohlhabenderen Nordrand. |
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Gelegentlich reizt das Buch zum Widerspruch, was aber überhaupt kein Nachteil ist. Nichts ist ja schlimmer als Bücher, die nur gähnende Zustimmung hervorrufen. So gemeinden etwa die Autoren ganz Makaronesien (inkl. Fuerteventura und Lanzarote) sowie Südwestmarokko in die mediterrane Region ein. Andere Autoren, die Wüsten in den Vordergrund stellen (und mit ihnen der Rez.), erkennen dort aus ökologischen und biogeographischen Gründen ein Stück Sahara. Auch die Gebirge werden bis zu den höchsten Gipfeln der mediterranen Region einverleibt. Die verschiedenen Ansätze zur Definition dieser Region werden zwar recht ausführlich diskutiert, aber man vermisst dort das Konzept der azonalen Vegetation oder das Konzept der Orobiome, obwohl Heinrich Walter in der Bibliographie zitiert ist. |
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Besonders lobenswert an dem Buch ist, dass auch Untersuchungen vom Ost- und Nordostrand des Mittelmeerbeckens angemessen berücksichtigt werden. Aus wissenschaftshistorischen Gründen haben wir Mitteleuropäer ja bislang zum Thema mediterrane Ökologie vor allem etwas aus dem Nordwestquadranten erfahren, allenfalls als Folge der Kolonialgeschichte noch ein wenig von Nordafrika. |
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An wen richtet sich das Buch? Es ist trotz zweier zu Studienzwecken beschriebener Transsekte kein Natur-Reiseführer, und es gibt auch keine Einführung in die Formenvielfalt der mediterranen Organismen. Leserinnen und Leser müssen mit den im Text genannten wissenschaftlichen oder englischen Gruppen- oder Gattungsnamen bereits eine Vorstellung verbinden. Die Autoren setzen ausdrücklich eine naturwissenschaftliche Vorbildung voraus. Der Stil ist leicht lesbar, und das Buch enthält ein ausführliches Glossar mit brillanten Definitionen. Allerdings wird die Kenntnis von Begriffen wie z.B. «ultrabasisch» vorausgesetzt. Für deutschsprachige Leserinnen und Leser bedauerlich ist, dass nicht konsequent bei den Sippennamen die wissenschaftlichen beigefügt sind. Die englischen Namen weniger vertrauter Gruppen z.B. sind nicht jedem geläufig. Ebenfalls wäre eine konsequentere Setzung von Quellenangaben wünschbar gewesen. Layout und Abbildungen sind von einer Sprödigkeit, wie sie universitäre Lehrbücher schon vor dreissig Jahren aufgewiesen haben. Diese kleinen Mängel ändern jedoch nichts an dem Fazit, dass dies ein wichtiges und rückhaltlos empfehlenswertes Buch ist!
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| | Rezension von Martin Blattner |
| | aus: Bauhinia 17 (2003), 81-82 |
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