. Schneider, Ernst - Natur und Landschaft der Region Basel (1999), CD-ROM
Natur und Landschaft der Region Basel (CD-ROM)

Heinz Schneider
Beat Ernst

Natur und Landschaft
der Region Basel

Ein Multimediaprogramm
auf CD-ROM

Christoph Merian Verlag
Basel, 1999

Einführungsband 56 S.
mit 2 CDs

ISBN 3-85616-103-1
(für Mac und Win)
Wenn man den Vorzug hatte, ein Projekt von seiner Empfängnis an über manche Evolutionsstufen - denn in seinem Sprossgedanken war noch gar nicht fest umrissen, was schliesslich daraus werden sollte - bis zu seiner endlichen Geburt intermittierend begleiten zu dürfen, ist das Staunen über den hochbegabten Sprössling noch intensiver: Mehr als 10 000 Bildschirmseiten finden sich verdichtet auf zwei Silberscheiben - zusammen ein Mitteilungsangebot von über 800 Megabytes!
Im Gegensatz zu ach so manchem Multimedium, dessen Handhabung allenfalls mühsam erraten werden kann, macht der schmale präzise, kurze, klare und eindeutig bebilderte Einführungsband mundwässernden Appetit aufs Einlegen der CDs. Gerade auch für Computer- oder doch CD-ROM-Novizen sind sowohl die Erklärung der Vorgänge und Wahlmöglichkeiten im Begleitband (S. 48-56) als auch die Menuführung über den Bildschirm von vorbildlicher Einfachheit und Klarheit. Um das Mass vollzumachen, dient CD 1 (mit 270 MB) ganz der Darstellung der Handhabung der eigentlichen inhaltsschweren CD 2 (536 MB).
Natur und Landschaft - das sind die Schlagwörter des Titels; aber das ist echt tiefgestapelt. Verständlich ist es zwar, dass man in einen Titel nicht auch noch alle kulturgeschichtlichen Begriffe wie Volkskunde, Kunstgeschichte, Architekturentwicklung, Verkehrswandel, Menschenbilder usw. einfügen kann. An erster Stelle ist deshalb hervorzuheben, dass das Programm in ausgeprägtem Masse wahrhaftig interdisziplinär, wirklich fächerübergreifend konzipiert und eingerichtet ist. Das ist nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass Heinz Schneider alles andere als ein Einschienen-Botaniker ist, wenn man weiss, wie umfassend seine persönlichen Interessen und fundierten Kenntnisse in Allgemeiner Geschichte, in Architektur- aber auch Kunst- und Musikgeschichte und vielen anderen Wissensgebieten sind, die weit ausserhalb der engeren Biologie und der Umweltwissenschaften angesiedelt sind. Sagen wir es kurz: Die Person des Hauptautors mit diesem intensiven Verständnis für Zusammenhänge ausserhalb des engeren Faches war nicht nur ein Glücksfall für dieses «sein» Projekt, sondern es wäre kaum von jemand anderem in dieser Breite und Tiefe zu realisieren gewesen.
Und was bietet denn das interaktive Programm? 700 Pflanzen, 200 Tiere (beide in «Biographien», aber auch in ihren Lebensräumen), dann 60 Forscher, ein Dutzend Maler und Fotografen sowie ein wichtiges Kapitel Quellen mit Stadtplänen, Atlanten, Karten oder Luftbildern, aber auch - im Sinne einer Kontrolle für das Gelernte - Spiele.
Aus meiner persönlichen Sicht (als Archäologe und Historiker) ist der Teil Landschaft etwas vom Hervorragendsten: Für rund 200 Gemeinden vom badischen Isteiner Klotz im Norden bis südlich zum Jura (westöstlich ungefähr in den Grenzen des Kantons Basel-Landschaft) und auf 1000 km2 Fläche kann ich nicht nur die moderne Karte 1:50000 ansehen und in einigen Partien auf 1:25000 vergrössern, sondern ich kann die gleiche Region auch in der Siegfriedkarte (bzw. der Preussischen Karte des Elsasses oder dem Topographischen Atlas des Grossherzogthums Baden) betrachten. Nicht genug damit, gibt es unzählige in der Karte markierte Punkte, von welchen aus ich die betreffende Gegend in Öl, Aquarell oder Skizzen aus früheren Tagen oder in Fotos aus der jüngeren Vergangenheit aber auch der Gegenwart sehen kann. Das für manche Forscher - vom Geographen bis zum Archäologen - faszinierendste Medium ist nun aber die in 10 Schritten gestaffelte Überblendbarkeit der alten mit der neuen Karte - ein fantastisches Dokument zum Landschaftswandel, der gerade in der Nordwestschweiz nachgerade exemplarisch um nicht zu sagen verheerend war. Und einen ganz besonderen Benutzerservice bedeutet in vielen älteren Darstellungen die Einblendbarkeit der Namen von Fluren und Objekten direkt ins antike Bild hinein.
Über ein Gesamtregister kann direkt zu einzelnen Begriffen (Ortschaften, Personen, Lebensräumen und anderen Sachkategorien) gesprungen werden. Pflanzen und Tiere werden durch Namenslexika erschlossen: Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, in 90 Zeilen alle Möglichkeiten dieser wahrhaftigen Enzyklopädie auch nur anzusprechen. Ich gestehe: auch nach stundenlangem «Zappen» und Staunen gibt es immer noch weitere Ausblicke und Entdeckungen - Nutzpflanzen, Barockgärten, Holzarten, Flurnamen usw. usf.!
Nur schade, dass keine Taste «Drucken» vorgesehen ist; aber der gewitzte «Hacker» behilft sich mit einem print-screen-Programm, das er über einen Shortcut steuern kann, denn während der Arbeit mit der CD-ROM ist der Griff aufs übrige Desktop verwehrt. Eine kleine Kritik betrifft die Bildnachweise, die zu jedem Bild durch Klick in die Basisleiste eingeblendet werden können: Sind diese zweizeilig, ist die untere Zeile jeweils beschnitten. - Aber alles kann man nicht haben!
 Rezension von Jürg Ewald
 aus: Bauhinia 14 (2000), 131-133
 

Basler Botanischen Gesellschaft
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22.10.2002