1952-2002: Die Basler Botanische Gesellschaft jubiliert von Hans Hürlimann und Hans Peter Rieder 
 
 

aus: Bauhinia 16 (2002), 5-11

 

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Gründung

Am 17. November 1952 trafen sich im Restaurant «Uff der Lyss» im Spalenquartier sechzehn Botaniker und botanisch Interessierte zur Gründung der Basler Botanischen Gesellschaft (BBG). Sie formulierten den Vereinszweck, die ersten Statuten und bestimmten den ersten Vorstand unter dem Präsidium von Dr. Ernesto Tschopp. Angestrebt wurde der Zusammenschluss der Freunde der Botanik und die Förderung der botanischen Wissenschaft. Diesen Zielen sollten die Veranstaltung von Vorträgen und Exkursionen, die Anlage und der Betrieb eines Gesellschaftsherbars, die Schaffung und Äufnung einer Gesellschaftsbibliothek und die Herausgabe eines Publikationsorgans dienen. Im Vordergrund standen und stehen bis heute floristische, geobotanische und ökologische Arbeitsrichtungen. Die Exkursionen im Sommer- und die Vorträge im Winterhalbjahr stiessen sogleich auf grosses Interesse, da sich immer kompetente und zugkräftige Leiter und Referenten finden liessen. Dementsprechend nahm die Zahl der Gesellschaftsmitglieder rasch von 49 im Jahre 1953 auf über 100 im Jahre 1957 zu. Nach fünfundzwanzig Jahren wurde die Mitgliederzahl von 200 erreicht, und Ende 2000 betrug sie 453. In der Gründungsurkunde wurden die Vorstandsmitglieder noch historisierend als «Pfleger und Hüter der Gesellschaft» bezeichnet, ebenso die einzelnen Funktionen: Dem «Obherr» stand als «Stabhalter» Dr. Charles Simon zur Seite, ferner als «Schryber» Paul Aellen, als «Säckelmeister» Dr. Wilhelm Brenner; «erster» und «zweiter Nachprüfer» waren Dr. Arthur Huber bzw. Prof. Roland Bay, und als «Byrat» wirkten Dr. Fritz Heinis und Prof. Max Geiger. Ob und wie lange diese Bezeichnungen im Vorstand gebräuchlich waren, entzieht sich unserer Kenntnis.
Dr. Ernesto Tschopp hatte das Präsidium bis zu seinem Tod 1956 inne, auf ihn folgten Dr. Charles Simon (1956-1958), Dr. Hugo Meder (1958-1966), Dr. Hans Peter Rieder (1966-1976), Dr. Willi Schaffner (1976-1978), Dr. Werner Zimmerli (1978- 1986), Prof. Thomas Boller (1986-2000) und seit 2000 ist PD Dr. Jürg Stöcklin im Amt.
Es würde zu weit führen, alle jemals amtierenden Vorstandsmitglieder zu erwähnen, sie verdienen aber wie die Präsidenten unseren kollektiven Dank für die Arbeit im Dienste der Gesellschaft.

Exkursionen

An erster Stelle der Aktivitäten der BBG sind die Exkursionen zu nennen. Sie sind für die Teilnehmer am attraktivsten, vermehren ihre floristischen Kenntnisse, vermitteln die Begegnung mit neuen Landschaften und Menschen und tragen so zum Zusammenschluss der Freunde der Botanik bei. Vor allem auf mehrtägigen Reisen können sich blosse Bekanntschaften zu Freundschaften entwickeln und gemeinsame Interessen sich erweitern und vertiefen.
Verständlicherweise kam seit der Gesellschaftsgründung der Durchforschung der näheren und weiteren Umgebung von Basel besondere Bedeutung zu. Jura, Sundgau, Vogesen und Schwarzwald bilden zusammen mit der oberrheinischen Tiefebene ideale Ziele für Berufsbotaniker und Liebhaber. Seit jeher haben Mitglieder, die einzelne Gebiete gut kennen, ihre Kenntnisse als Exkursionsleiter allen Interessierten uneigennützig zur Verfügung gestellt. Bald wurden aber auch entferntere Ziele aufgesucht und zwei bis mehrere Tage dafür verwendet. So lockten die Alpen vom Monte Baldo bis nach Südfrankreich, das Burgund, die Provence, die Pyrenäen, die Toskana usw. Bis nach Kreta zog es die Basler Botaniker, und auf mehreren Exkursionen wurden sämtliche Inseln der Kanaren besucht. Aussenstehende Wissenschafter übernahmen wo nötig die botanische Führung, und auch die Zahl der auswärtigen Mitglieder nahm zu. Immer aber ruht die Hauptverantwortung auf den Schultern der Exkursionsorganisatoren im Vorstand der BBG, und es ist erstaunlich, wie manches Jahr einige von ihnen dieser Aufgabe treu geblieben sind: von 1956 bis 1971 hat Dr. Arthur Rüegger dieses Amt betreut, 1971 bis 1975 Dr. Hans Huber, 1975 bis 1980 Kurt Schaub und seit 1981 ist es Max Seiler, der unermüdlich neue Ziele findet.

Vorträge

Die Vortragstätigkeit wurde schon bald nach der Gründung mit dem Kolloquium der Botanischen Anstalt (heute Botanisches Institut) der Universität Basel koordiniert, und seit vielen Jahren finden die Anlässe im Wintersemester im Institutsgebäude statt. In den Anfangsjahren wurden auch eigene Veranstaltungen im Schützenhaus durchgeführt. Institutsvorsteher und BBG-Vorstand bestimmen Themen und Referenten, und die Zusammenarbeit dieser Organe lässt bis heute keine Wünsche offen. Nicht zu vergessen sind dabei auch die Angestellten des Institutssekretariates.

Herbar

Wer auf Exkursionen «blümelt», legt sich gerne ein Herbarium an, sei es als Beleg für gemachte Funde, sei es als Gedächtnisstütze beim Bestimmen und Vergleichen mit neuen Entdeckungen. Pflanzensammlungen sind auch wesentliche Grundlagen für die Beurteilung von Veränderungen in der Vegetation, sozusagen Geschichtsbücher für ihre Entwicklung. Damit private Sammlungen nicht einfach verschwinden, hat die BBG gleich zu Beginn ihrer Existenz den Aufbau eines Gesellschaftsherbars an die Hand genommen und die Betreuung einem Vorstandsmitglied anvertraut. Durch Schenkungen, Vermächtnisse, Tausch und einzelne Käufe ist unser Herbar, das international unter dem Kürzel BASBG bekannt ist, auf gegenwärtig über 300'000 Belegbogen angewachsen. Ohne eine bedeutende Zahl freiwilliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Gesellschaftskreis, die regelmässig und mit Geschick die eingehenden Pflanzen auf Bogen kleben und systematisch richtig einordnen, wäre die Entstehung einer solchen Sammlung undenkbar. Die einzige Anerkennung, die ihnen zuteil wird, ist die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft nach einigen zehntausend erledigten Bogen.
Unser Herbar hat während seines Bestehens verschiedene Umzüge erdulden müssen und wurde dabei gelegentlich auch von Schadinsekten befallen, deren Beseitigung Kosten und Unannehmlichkeiten bereitete. Zuerst war es im alten Gärtnerhaus des Botanischen Gartens am Spalentor untergebracht, 1961 erfolgte der Umzug ins ehemalige Pächterhaus des Hofes Vorder-Brüglingen, 1969 ins alte Schulhaus Neue Welt, 1971 in den Luftschutzkeller des Gymnasiums Münchenstein und endlich 1987 in den Dachstock des Botanischen Institutes an der Schönbeinstrasse 6. Seit vielen Jahren betreut Dr. Christian Heitz die Pflanzensammlung als Nachfolger von Dr. Charles Simon, der dies bis 1970 besorgte.
Wissenschaftliche Arbeiten ohne Berücksichtigung der Fachliteratur sind nicht denkbar. Deshalb wurde von Beginn an eine Bibliothek aufgebaut, die in erster Linie unseren Mitgliedern zur Verfügung steht. Sie enthält Standardwerke der Systematik, wichtige Floren und eine Vielzahl von Zeitschriften - meist durch Tauschverkehr erworben. Die Bibliothek hat die Wanderungen des Herbars getreulich mitgemacht und befindet sich jetzt ebenfalls im Dachstock des Botanischen Institutes. Ihre Benutzung ist nach Rücksprache mit dem Gesellschafts-Bibliothekar möglich. 1975 wurde ein Teil der Zeitschriften der Universitätsbibliothek Basel als Depositum überlassen, und diese sorgte im Gegenzug für die Katalogisierung des gesamten Bestandes.

Diathek

Schliesslich ist als Sammelobjekt unsere Diathek zu erwähnen, welche auf Geschenke unserer fotografierenden Mitglieder zurückgeht und in erster Linie alle Phanerogamen und Farne der Schweizer Flora in Farbbildern wiedergeben will. Daneben werden Pflanzenbilder von den Exkursionen gesammelt sowie solche von Studienreisen unserer Mitglieder. Die Diathek wird in der Wohnung von Dr. Hans Peter Rieder aufbewahrt, der sie auch seit vielen Jahren betreut und vermehrt. Sie umfasst zur Zeit über 40 000 Diapositive.

BAUHINIA

Im Jahre 1953 erschien die erste Ausgabe der Mitteilungen der BBG in vervielfältigter Form. Schon bald darauf, im Dezember 1955, erfolgte der Wechsel zur gedruckten Zeitschrift, der «BAUHINIA». Fast jedes Jahr wurde seither eine Nummer veröffentlicht. Der Name weist auf die Urväter der Basler Botanik, auf die Familie Bauhin, deren Geschichte Hans Peter Fuchs-Eckert in mehreren Folgen der Zeitschrift behandelt hat.
Die BAUHINIA nimmt wissenschaftliche Arbeiten aus dem Mitglieder- und Freundeskreis der Gesellschaft auf, vor allem aus den Fachgebieten Systematik, Floristik, Ökologie und Pflanzengeografie. Sie belegt so das weite Spektrum von Interessen, die unsere Gesellschafter pflegen, und es ist erstaunlich, wie viel Wissen gerade auch von sogenannten Amateuren erarbeitet und veröffentlicht wird. Die BAUHINIA findet deshalb in Fachkreisen weit ausserhalb Basels grosse Beachtung, was der blühende Tauschverkehr mit anderen Zeitschriften belegt.
Unsere Autoren verfassen Originalarbeiten, und so ist es nicht verwunderlich, dass sich unter ihnen auch menschliche Originale befunden haben, die ihre Arbeit auf den gewählten Spezialgebieten gebührend gewürdigt wissen wollten. Dass dies nicht immer in holder Eintracht erfolgte, sondern zum Teil in bitteren Fehden resultierte, darf aus gesellschaftshistorischer Sicht nicht verschwiegen werden - die Gründergeneration hat sich hier besonders ausgezeichnet. Aber auch das Gegenteil ist hervorzuheben: Wissenschafter von höchstem Rang, die dank ihrer Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Bescheidenheit unvergessen bleiben wie Prof. Tadeus Reichstein, Prof. Hans Kunz oder Dr. Jany Renz, um nur diese wenigen zu nennen.
Festschriften wurden zu Ehren von Dr. August Binz, Dr. Alfred Becherer, Dr. Arthur Huber-Morath und Prof. Heinrich Zoller veröffentlicht. Als Redaktoren wirkten in früheren Jahren jeweils einzelne Vorstandsmitglieder, seit 1998 ein vierköpfiges Redaktionsteam. Gleichzeitig änderte sich auch das Erscheinungsbild der BAUHINIA: Das Heft ist nun farbig, wird grafisch von einem professionellen Gestaltungsteam realisiert und hat sich neue Freunde auch ausserhalb unseres Mitgliederkreises erworben.
Es muss betont werden, dass die regelmässige Herausgabe einer wissenschaftlichen Zeitschrift dieses Formats durch eine zahlenmässig kleine Vereinigung nur dank bedeutenden finanziellen Beiträgen von dritter Seite möglich ist. In erster Linie sind hier die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft zu erwähnen, die uns grosszügig unterstützen. Dazu kommen Beiträge aus verschiedenen Fonds und freiwillige Spenden unserer Mitglieder. Die von unserem verstorbenen Gründungsmitglied Dr. Charles Simon testamentarisch errichtete «Stiftung zur Förderung der Pflanzenkenntnis» trägt durch alljährliche Zuschüsse an die Rechnung der BBG ebenfalls zur Finanzierung der BAUHINIA bei. Schliesslich decken auch Abonnementsbeiträge teilweise die verbleibenden Kosten für Druck und Vertrieb unserer Zeitschrift. In früheren Jahren haben auch die grossen Basler chemisch-pharmazeutischen Firmen Subsidien gewährt, doch als Folge eingetretener Fusionen und Neuorientierung der Sponsorentätigkeit sind diese Quellen leider versiegt.

Förderung von Wissenschaft, Naturschutz und Pflanzenkenntnis

Die BBG hat sich von Anfang an auch öffentlicher Angelegenheiten im Bereich von Botanik und Naturschutz angenommen und entsprechende Bemühungen aktiv unterstützt, so die Anstrengungen zur Erhaltung des Kannenfeldparks, zum Schutz der Reinacher Heide und des Isteiner Klotzes, zur Schaffung des neuen botanischen Gartens in Brüglingen und zur Beibehaltung eines Lehrstuhl für ökologische Pflanzengeografie an der Universität (Nachfolge Prof. Heinrich Zoller). Das Basler Finanzdepartement hat sie 1976 konsequenterweise als gemeinnützige Institution anerkannt und damit Spenden an sie als abzugsberechtigt in der Steuererklärung zugelassen.
Auch die oben genannte Stiftung von Dr. Charles Simon leistet beachtliche Beiträge im öffentlichen Interesse, zum Beispiel für Exkursionen und Kurse an Schulen, für Ausstellungen und Naturschutzveranstaltungen und besondere botanische Anlässe. Daneben unterstützt sie Forschungsreisen und Veröffentlichungen unserer Mitglieder und zugewandter Stellen.
Vieles an geleisteter Arbeit in den vergangen fünfzig Jahren konnte in diesem Rückblick nur angedeutet werden. Ohne Zweifel hätten aber unsere Vorstandsmitglieder, die guten Geister in Herbar und Bibliothek sowie die stillen Helfer auf Exkursionen und bei Vorträgen im Rahmen des vergangenen «Jahres der Freiwilligen» auch eine Würdigung verdient. So sei ihnen an dieser Stelle der Dank der Basler Botanischen Gesellschaft ausgesprochen, verbunden mit der Hoffnung, dass diese auch in den nächsten fünfzig Jahren auf solche Unterstützung zählen darf!

 

Basler Botanische Gesellschaft
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22.10.2002