Ingwer ist das Rhizom einer Staude, die schilfrohrähnliche Sprosse treibt, aus Südostasien stammt und dort seit Jahrtausenden als Gewürz und Medizinalpflanze in Gebrauch ist. Früchte werden nur selten gebildet und in Kultur wird Ingwer durch Teilen des Rhizoms vermehrt. Heute wird das Gewürz überall in den Tropen angebaut. Ingwer riecht aromatisch und schmeckt scharf.
Das Rhizom enthält ein ätherisches Öl mit Zingiberol als Geruchsträger und scharf schmeckende Harze, dessen Bestandteil u.a. Gingerol ist. Das Gewürz kommt als frische, getrocknete oder kandierte Rhizomstücke oder als Pulver in den Handel. Der ungeschälte schwarze Ingwer besitzt noch den Kork der Rinde. In den Anbaugebieten wird Ingwer fast täglich als verdauensförderndes Mittel gebraucht. Er ist in zahlreichen Gewürzmischungen enthalten. Ausserdem wird aus dem Rhizom ein Einreibemittel gewonnen, das bei Rheumatismus sowie als Mittel gegen Magen- und Zahnschmerzen verwendet wird.
In Mitteleuropa wurde die Pflanze durch die Kreuzritter bekannt. Die seefahrenden Kolonialmächte trieben besonders intensiven Handel mit dem Gewürz. Wichtige Stapelplätze des wertvollen Produkts waren Genua und Lissabon. Im 16. Jahrhundert kostete ein Pfund Ingwer gleichviel wie ein Schaf. Die Vorliebe der seefahrenden Nationen für Ingwer hat sich erhalten. An der Nordsee dient er nicht nur als Gewürz für Speisen, sondern ist im Winter auch Zutat zum heiss servierten Ingwerbier. «Ginger Ale», Ingwermarmelade und Ingwersuppe sind englische Spezialitäten. In Skandinavien ist Ingwer eines der wichtigsten Weihnachtsgewürze. Kandierte Ingwerstücke isst man als Konfekt. Von der Weltproduktion des Ingwers bleibt allerdings der grösste Teil in den Anbauländern, noch nicht ein Drittel wird exportiert.
Jürg Stöcklin, Text zur Ausstellung «Wegzehrung - Pflanzen am Lebensweg des Menschen» (1. Juni–29. Sept. 1996)
|