Weinrebe
Vitis vinifera L. (Vitaceae)
Die Rebe gehört nicht nur zu den ältesten Kulturpflanzen, sondern sie ist auch die am häufigsten angebaute Obstpflanze der Welt. Die wilde Ursprungsform der Weinrebe ist eine der wenigen Lianen der mitteleuropäischen Flora. Sie überlebte die Eiszeiten wahrscheinlich in südeuropäischen und westasiatischen Refugien. Die verholzende Pflanze hat rundliche, gelappte Laubblättern und trägt Sprossranken. Die saftigen Beeren entstehen an Blütenständen, die entgegen dem Sprachgebrauch keine Trauben, sondern Rispen sind.
Die Rebe wird üblicherweise durch Stecklinge vermehrt. Erste Spuren einer Weinreben-Kultur finden sich in der frühen Bronzezeit von Palästina, Syrien, Ägypten und der Ägais. In Ägypten lässt sich der Rebenanbau bis auf 3500 v. Chr. zurückverfolgen. Der Bibel zufolge pflanzte Noah den ersten Weinberg. Für die Griechen war der Gott Dionysos Spender und Gründer des Weinbaus. Die Römer brachten die Weinkultur bei ihren Eroberungsfeldzügen nach Mitteleuropa und bis nach England. Mit der Zeit entwickelten sich in verschiedenen Gegenden und auf Grund unterschiedlichen Klimas und Böden zahllose Rebsorten.
Mitte des 19. Jahrhunderts drohte die aus Amerika gekommene Reblaus die europäischen Weinbaugebiete zu vernichten. Das Problem wurde gelöst, indem Edelreiser europäischer Sorten auf reblausfeste Unterlagen aus Amerika gepfropft wurden. Neben der Nutzung des ausgepressten Saftes für die Wein-, Sekt- und Weinbrandherstellung werden die Beeren frisch als Tafeltrauben oder in südlichen Ländern getrocknet als Rosinen genutzt. Berühmt sind die kleinasiatischen kernlosen Sultaninen. Wie keine andere Pflanze wird die Rebe, die Winzerarbeit und der Rebensaft von Dichtern besungen und von Malern verehrt.
Jürg Stöcklin, Text zur Ausstellung «Wegzehrung - Pflanzen am Lebensweg des Menschen» (1. Juni–29. Sept. 1996)
13. Nov. 2004