Vanille ist das Gewürz einer Orchidee, einer tropischen Schlingpflanze, die sich mit sprossbürtigen Rankenwurzeln an Urwaldriesen bis 10 m in die Höhe windet. Heimisch ist die Pflanze in küstennahen Gegenden Mittelamerikas.
Das Vanillin ist in den Schalen der Früchte enthalten. Die in Trauben stehenden, unscheinbaren Orchideenblüten können unter natürlichen Bedingungen nur von einem einzigen Insekt bestäubt werden, das die äusseren Blütenorgane durchbohrt und und so den Blütenstaub auf die Narbe bringt. In Kultur werden die Vanilleblüten deshalb oft von Hand bestäubt. Nach der Bestäubung wächst der Fruchtknoten zu 16-20 cm langen Kapseln aus. Diese werden vor der Reife geerntet und einer Fermentation unterworfen. Nach abwechselnder Trocknung bringt man sie in luftdichten Behältern zum «Schwitzen». Dabei entwickeln die Früchte innerhalb von mehreren Wochen die Biegsamkeit und Farbe der uns bekannten Vanillestangen. Die präparierten Schoten enthalten etwa 3 % Vanillin. Das einzigartige Aroma beruht allerdings auf 35 weiteren Inhaltsstoffen, weshalb synthetisches Vanillin das Gewürz nicht ersetzen kann.
Die Indianer Mittelamerikas würzten mit Vanille ihr «chocolatl» genanntes Schokoladengetränk. Auch der Begriff «vaynilla» stammt aus der Aztekensprache. Jahrhundertelang blieb Mittelamerika das einzige Erzeugerland für Vanille, da andernorts der natürliche Bestäuber fehlte. Erst 1841 entwickelte man die künstliche Bestäubung. Heute wird Vanille ausser in Mexiko in Indonesien, auf den Comoren, Madagaskar und in Uganda angebaut. Vanille ist das wichtigste Gewürz in der Schokoladeindustrie und wird für zahlreiche Süsspeisen und bei der Likörherstellung verwendet.
Jürg Stöcklin, Text zur Ausstellung «Wegzehrung - Pflanzen am Lebensweg des Menschen» (1. Juni–29. Sept. 1996)
Weitere Informationen zur Herkunft, Biologie und Geschichte der Vanilleschote: www.vanille-info.de
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