Zuckerrohr
Saccharum officinarum L. (Poaceae)
Der Ursprung des Zuckerrohrs wird in Neuguinea oder Indien vermutet. Die ältesten Berichte über die Kultivierung der Pflanze stammen aus Indien. Von dort hat sich die Zuckerrohrkultur in alle Himmelsrichtungen ausgebreitet. Die Araber, die auch das Raffinieren des Zuckers erfanden, brachten die Pflanze zwischen 700 und 900 n. Chr. in den Mittelmeerraum. Spanier und Portugiesen führten sie in Zentral- und Südamerika ein und die Holländer legten in Indonesien Plantagen an.
Zuckerrohr ist ein bis zu 7 m hohes, mehrjähriges tropisches Gras. Der 2-5 cm dicke Halm enthält ein weiches, zuckerspeicherndes Mark. Der Saccharosegehalt kann bis zu 20 % erreichen, daneben sind im Rohr auch geringe Mengen an Fruktose und Glucose gespeichert. Die Kultivierung von Zuckerrohr erfordert hohe Temperaturen und reichlich Niederschläge. Es wird mit Stecklingen vermehrt und kann nach 10-14 Monaten geerntet werden. Die Halme werden tief am Grund, meist von Hand, abgeschlagen und entblättert. Für die Zuckergewinnung werden die Halme zerkleinert und zwischen Walzen ausgepresst. Der Zuckerrohsaft wird gereinigt und bis zur Kristallisation eingedickt. Der gelbbraune Rohzucker wird dann zum Weisszucker raffiniert. Dabei entsteht auch kristallfreie Melasse, die immer noch grosse Anteile Saccharose enthält und als Futtermittel oder durch Vergärung zur Rumherstellung genutzt wird.
Die heute kultivierten Sorten sind aus Kreuzungen von Saccharum officinarum (dem Edelrohr) mit 3 andern Saccharum-Arten entstanden. Das Edelrohr hat den hohen Zuckergehalt und die hohe Saftreinheit beigesteuert. Von der alten indisch-chinesischen Kulturart S..sinense stammt die grosse ökologische Anpassungsfähigkeit, von S. spontaneum und S. robustum die Krankheitsresistenz. Zucker war lange ein Luxusartikel, der bei uns in Apotheken verkauft wurde. Mit dem Aufschwung des Seehandels sank der Preis und Zucker wurde immer mehr gefragt. Im 19. Jahrhundert verdrängte der Rübenzucker das Zuckerrohr von seiner Monopolstellung. Aber auch heute trägt dieses mehr als 50 % zur Weltzuckerproduktion bei.
Jürg Stöcklin, Text zur Ausstellung «Wegzehrung - Pflanzen am Lebensweg des Menschen» (1. Juni–29. Sept. 1996)
13. Nov. 2004