Pilze haben die Menschen schon immer fasziniert, warum?
Früher, bevor Botaniker das Wesen dieser Pflanzen entschlüsselt hatten, umgab die Pilze ein Mythos aus Hexerei und Teufelswerk, wuchsen sie doch scheinbar plötzlich und ohne typische Pflanzenmerkmale wie Samen oder Blätter und Blüten zum Bode heraus. Feuchtigkeits- und schattenliebend und somit Moder entspringend, hatten sie keinen guten Ruf. Wagte gar jemand welche zu essen, wurde er oft mit schweren Vergiftungen bestraft. Das kreisförmiger Wachstum einiger Pilze wurde als eine Tanzfläche dunkler Mächte der Unterwelt gedeutet, auch heute noch als «Hexenringe» bekannt.
Heute wissen wir natürlich einiges mehr über die Pilze, und vor allem positiveres: Sie sind für die meisten anderen Pflanzen lebenswichtige Partner (Mykorrhiza). Sie sind massgeblich für den Abbau vieler toter Materialien (Holz, Blätter etc.) verantwortlich, ohne Pilze würde sich Totholz bald meterhoch im Wald türmen. Die Hexenringe deuten auf das sich im Kreis ausbreitende Myzel (der eigentliche Pilz im Boden) hin. Die Samen der Pilze, eben die Sporen, sind derart klein, dass man sie von blossem Auge nicht sieht. Und giftige Arten gibt es schliesslich auch bei normalen Pflanzen.
Trotz dieser Erkenntnisse (oder gerade deswegen) üben die Pilze auch heute noch eine grosse Faszination auf die Menschen aus. Leider macht auch der allgemeie Rückgang vor den Pilzen keinen Halt. Rücksichtslose Forstwirtschaft, Biotopzerstörungen und Überdüngung lassen einige Arten selten werden. Massloses Sammeln stört vor allem die andere Flora und Fauna des Waldes. Ist daher eine Ausstellung zu rechtfertigen?
Da es sich beim Pilz ja nicht um die eigentliche Pflanze, sondern nur um deren Fruchtkörper handelt, wird der Pilz nicht gefährdet. Da die Zucht der Pilze nur bei sehr wenigen Arten möglich ist, bleibt also nur das Ausstellen von gesammelten Arten.
Es soll dem Besucher die Vielfalt, die Spezialisierung einiger Arten und die Wichtigkeit der Pilze für unsere Natur, speziell für den Wald demonstriert werden. Der Speisepilzler, der hier auch wichtige Speise- und Giftpilze vergleichen kann, wird möglicherweise angeregt, sein Hobby in Richtung Mykologie zu vertiefen. Ein botanischer Garten ist ja eine Ausstellung vieler Pflanzen (die man eben züchten und pflanzen kann), in dieser Umgebung dürfte daher auch eine Pilzausstellung den denkbar würdigen Rahmen dazu haben.
Wenn die Ausstellung den Laien zum Staunen ob der vielen Arten bringt, dem Fortgeschrittenen eine Übersicht der Arten der Region gibt, oder der Mykologe sogar einige Raritäten bestaunene kann, ist der Zweck der Ausstellung erfüllt.
Sollte das Wetter z.B. durch Trockenheit nur wenige Pilze wachsen lassen, gehört das genau so zum Hobby Pilzkunde: wir müssen einfach akzeptieren, dass Pilze nicht einfach so wachsen wie eine Grünpflanze, einige Arten können Jahre oder Jahrzehnte lang ausbleiben, durch das feste Datum einer Pilzausstellung lassen sie sich schon gar nicht beeindrucken…
Text zur Pilzausstellung 1999, verfasst vom «Verein für Pilzkunde Basel»
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