Passionsblumen sind tropische Lianen. Die meisten der rund 500 Arten stammen aus dem tropischen und subtropischen Amerika; etwa 20 leben in der Alten Welt. Es sind weitgehend Waldpflanzen, die mit langen, peitschenartigen Trieben an anderen Pflanzen emporklettern und sich dabei mit Hilfe von Ranken festhalten.
![]() Ranken Eine einzige Art innerhalb der Gattung ist einjährig. Einige wenige Arten wachsen baumförmig und haben konsequenterweise keine Ranken mehr.
Auffallend ist nicht nur die grosse Fülle an Blattformen, sondern vor allem das Auftreten völlig ungewohnter Gestalten, z. B. von Blättern, die breiter als lang sind. Diese Formenfülle ist nicht einfach eine Spielerei, sondern besitzt biologische Gründe:
Die Blätter der Passionsblumen sind giftig und können nur von wenigen Insekten konsumiert werden. Vor allem eine bestimmte Schmetterlingsgattung (Heliconius) hat diese Hürde gemeistert. Die Schmetterlingsweibchen suchen Passionsblumen als Nahrungspflanzen für ihre Raupen. Sie finden die Pflanzen per Auge (Formerkennung). Die Vielfalt an Blattformen hilft den Passionsblumen, die Schmetterlinge zu täuschen, d.h. die Tiere erkennen nicht alle diese vielfältigen Formen als Passiflora-Arten.
Blätter im «Querformat» Um ihren «Hauptvernichtern» zu entkommen, haben die Passionsblumen noch einen weiteren erstaunlichen Mechanismus entwickelt: Sie imitieren an verschiedenen Organen (Blüten, Nebenblättern, Blattstielen, Blattflächen) Schmetterlingseier, teils als kugelige Auswüchse, teils als Farbflecken. Die Schmetterlingsweibchen halten solche Pflanzen für «besetzt» und legen dort meist keine Eier ab. Entsprechend werden die Pflanzen weniger stark von Raupen abgefressen.
Alle Passionsblumen-Arten haben farbenprächtige, markant geformte Blüten. Fünf Kelch- und fünf Kronblätter werden meist radartig zu einem regelmässigen 10er-Stern ausgebreitet. Darüber erhebt sich das unverwechselbare Spezialorgan dieser Blüten: ein Kranz aus teils mehrfarbigen Fransen, die sog. Corona. Die Corona amtet als Leitschiene für Bestäuber, als Sitz der Blütenduftdrüsen oder als optische Verstärkung. Aus ihrer Mitte steigt eine massive Säule auf, die an der Spitze fünf Staubblätter und den Fruchtknoten mit drei dicken Narben trägt. Staubblätter und Narben kommen dadurch eine Etage höher zu liegen als die Corona.
Staubblätter und Narben liegen erhöht. Dies führt bei den bienen- und hummelbestäubten Arten dazu, dass die Tiere auf der Suche nach Nektar am Fuss der Säule herum krabbeln und den Pollen von oben auf den Rücken appliziert erhalten.
Allerdings werden nicht alle Arten von Hautflüglern bestäubt. Innerhalb der Gattung sind mindestens zwölf Mal kolibribestäubte Blüten und mindestens drei Mal Fledermaus-Blumen entstanden.
mehrfarbige Corona Die Früchte sind meist hartschalige Beeren mit zahlreichen Samen, die in einen fleischigen Mantel verpackt sind (Arillus), ähnlich wie bei Kaktusfeigen oder beim Granatapfel. Die Samen sitzen am Rand der Fruchtwand und sind gegen innen gerichtet. Dieses Merkmal findet sich auch bei den Violaceae, welche innerhalb der mitteleuropäischen Flora die nächsten Verwandten der Passionsblumen darstellen.
junge Frucht Passionsfrüchte kommen zwar auch bei uns in den Handel, meist Importe aus Brasilien. Sie spielen aber insgesamt eine geringe Rolle. In den Tropen selbst werden weit mehr Arten genutzt, längst jedoch nicht alle.
Auch dies hat einen biologischen Hintergrund. Etwas pauschalisiert könnte man nämlich von zwei Fruchttypen sprechen:
(1) Rote bis schwarzviolette Früchte mit schwachem Duft und Aroma werden von Vögeln gefressen.
(2) Gelbe Früchte mit intensivem Geruch adressieren sich an Säuger. Einige davon sind auch für uns von Interesse.
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