Schlafmohn, Opium
Papaver somniferum L. (Papaveraceae)
Opium ist der getrocknete Milchsaft des Schlafmohns, der gewonnen wird, indem die unreifen, noch grünen Samenkapseln angeritzt werden und der ausgetretene Saft einige Zeit später abgeschabt wird.
Im Opium sind mehrere Alkaloide enthalten. Mengenmässig und von seiner Wirkung her das wichtigste ist das Morphin, ein schmerzstillendes Mittel, das gleichzeitig euphorisierend und einschläfernd wirkt. Es führt bei dauernder Anwendung zur Gewöhnung und kann süchtig machen. Heroin ist ein halbsynthetischer Abkömmling des Morphins. Daneben finden sich im Milchsaft des Schlafmohns Codein, ein besonders den Hustenreiz stillendes Alkaloid, sowie die Wirkstoffe Papavarin, Narcotin und Narcein, die in der Medizin bei Darmkrämpfen und zur Beruhigung von Husten eingesetzt werden.
Der Schlafmohn sollte nicht mit dem bei uns heimischen, rotprächtigen Klatschmohn verwechselt werden. Er ist eine alte und vielseitige Kulturpflanze, die in vielen Ländern, allerdings unter staatlicher Aufsicht, legal kultiviert wird. Mohnsamen sind ein Gewürz, das jedermann kennt, und kein Opium enthält.
Weniger bekannt ist das Mohnöl, das aus den Samen gepresst wird. Das Öl hat einen hohen Gehalt an Linolsäure und dient ausser als Speiseöl zur Herstellung hochwertiger Malerfarben.
Der Schlafmohn stammt aus dem westlichen Mittelmeergebiet und wurde bereits vor 6000 Jahren in Kultur genommen. Die ersten Ackerbauern an der Maas und am Niederrhein um 4000 vor Christus kannten den Mohn bereits. Er war eine wichtige Kulturpflanze der Schweizer und süddeutschen «Pfahlbauten».
Aus dem östlichen Mittelmeer stammen die ältesten Hinweise auf die Gewinnung von Opium. Eine Figur aus spätminoischer Zeit zeigt eine schlafende Göttin, die auf ihrem Stirnreif drei Schlafmohnkapseln trägt. Erste, sichere Nachweise für die Verwendung der Mohnsamen als Gewürz finden sich in der römischen Literatur. Man vermischte Mohnsamen mit Honig und streute ihn damals schon aufs Brot. Im Orient wurde Opium später wegen dem Alkohollverbot der Mohammedaner sehr populär. Diese brachten die Pflanze nach Fernost. Etwa ab der Mitte des 17. Jahrhunderts wurden die Chinesen zu begeisterten Opiumkonsumenten und das Opium zu einem der wichtigsten Ausfuhrgüter Chinas. Im 19. Jahrhundert war das Rauschgift der Anlass für den sogenannten Opiumkrieg zwischen England und China.
Jürg Stöcklin, Text zur Ausstellung «Wegzehrung - Pflanzen am Lebensweg des Menschen» (1. Juni–29. Sept. 1996)
13. Nov. 2004