Tabak
Nicotiana tabacum L. und N. rustica L. (Solanaceae)
Die meisten der ca. 60 Tabakarten sind auf dem amerikanischen Kontinent heimisch. Die beiden kultivierten Tabakarten hat man allerdings noch nie wild gefunden.
Es sind einjährige Kräuter mit grossen Blättern, die für ihre Entwicklung viel Wärme und reichlich Niederschläge benötigen. Die attraktiven Blüten von N. tabacum sind fleischrot, die kleineren unscheinbaren von N. rustica grünlich-weiss gefärbt.
Das Alkaloid Nikotin wird in den Wurzeln produziert und in die Blätter transportiert. Je nach Verwendungszweck werden die Blätter in unterschiedlichem Entwicklungszustand geerntet, getrocknet, in Ballen gepresst und fermentiert. Nikotin wirkt bereits in kleinsten Mengen anregend auf das Nervensystem und bewirkt über die Ausschüttung von Adrenalin eine Blutdrucksteigerung. Obwohl es in grösseren Mengen tödlich wirkt, gewöhnt sich der Körper allmählich an das Gift. Dieses wird bereits im Mund, der Nase und in der Luftrröhre über die Schleimhäute aufgenommen, weshalb Tabak nicht nur geraucht, sondern auch gekaut und geschnupft werden kann.
Indianer rauchten Tabak seit über 2000 Jahren. Die ersten Spanier, die den amerikanischen Kontinent betraten, waren über die tabago rauchenden Ureinwohner höchst erstaunt. Der französische Gesandte in Lissabon, Jean Nicot de Villemain ist für die Verbreitung des Tabaks verantwortlich und hat im Nikotin seinen Namen verewigt. Er schickte Samen an den französichen Königshof und im «Jardin d'acclimatisation de Paris» begann, was zu einer der weltweit verbreitesten Süchte werden sollte.
Jürg Stöcklin, Text zur Ausstellung «Wegzehrung - Pflanzen am Lebensweg des Menschen» (1. Juni–29. Sept. 1996)
13. Nov. 2004