Die Blätter des Matebaums werden in Südamerika als Tee aufgegossen und als anregendes Getränk genossen. Der 6-14 m hohe Baum ist mit unserer Stechpalme verwandt und kommt in Brasilien und Paraguay unter feucht-tropischen Bedingungen natürlich vor.
Zur Ernte werden ganze beblätterte Äste abgehauen und die Blätter über dem Feuer geröstet, damit sich die Aromastoffe entfalten können. Die Blätter werden anschliessend getrocknet, grob zerkleinert und mit Schlegeln in Stückchen handelsüblicher Grösse von 2-5 mm gepresst oder zu Pulver gemahlen. Die Blätter enthalten Coffein und Gerbstoffe, die anregende Wirkung ist beträchtlich und langanhaltend. Wahrscheinlich ist Yerba-Mate für die Landbevölkerung auch eine wichtige Vitaminquelle. Von Grabbeigaben weiss man, dass der Matestrauch bereits in der indianischen Frühzeit genutzt wurde.
Im Verlauf der Jahrhunderte ist Mate zum Nationalgetränk der Argentinier geworden, ist aber in ganz Südamerikas verbreitet. Matetee wird nach einem alten Zeremoniell der Criollo-Indianer mit einem metallischen Saugröhrchen, der Bombilla, aus einer kleinen Kalebasse, der Frucht eines Flaschenkürbis, getrunken. Bei Eingeborenen und Mestizen ersetzt der gemeinsame und schweigsame Genuss von «mate con bombilla» die Friedenspfeife der nördlichen Indianer. Yerba-Mate wird auch Jesuiten-Tee genannt, weil der von 1609 bis 1773 im heutigen Paraguay gelegene Jesuiten-Staat zeitweilig das Monopol der Mate-Produktion besass.
Jürg Stöcklin, Text zur Ausstellung «Wegzehrung - Pflanzen am Lebensweg des Menschen» (1. Juni–29. Sept. 1996)
|