Kardamom wird in Indien als «Königin der Gewürze» bezeichnet und ist das wertvollste der tropischen Gewürze. Sein Preis wird nur noch von dem des Safran überboten.
Das Gewürz stammt von einer schilfartigen Staude, die in den feuchten Bergwäldern Indiens heimisch ist und heute in Südostasien weithin kultiviert wird. Die Kardamonkapseln bilden sich nach der Bestäubung an niederliegenden, sich an der Spitze aufrichtenden Ähren aus den Fruchtknoten weisser Blüten.
Der beste Kardamon kommt aus dem Hochland des südindischen Bundesstaates Kerala. Man kann Kardamom als dreikantige, grünliche Kapseln, als aus den Kapseln gelöste, winzige Samen oder als gemahlenes Pulver kaufen. Der aromatische Duft und Geschmack von Kardamom stammt aus dem in den Samen reichlich enthaltenem ätherischen Öl mit Limonen, Sabinen, Borneol, Cineol und Terpineol. Kardamom ist appetitanregend und fördert durch die Steigerung der Magensekretion die Verdauung.
In der indischen Naturheilkunde ist Kardamom seit mehr als 4000 Jahren bekannt. Nur ein geringer Teil der Kardamomernte verlässt die Anbauländer. Das Gewürz ist Bestandteil vieler Currypulver und Gewürzmischungen. Die Inder konsumieren grosse Mengen Kardamom beim Betelkauen. Auch im Tee werden die Kapseln als Gewürz gebraucht. In Mitteleuropa taucht Kardamom ab dem 7. Jahrhundert auf. Seine Verwendung ist vielfältig, vor allem in Gebäck und Lebkuchen darf das Gewürz nicht fehlen, oft kommt es in Wurstwaren und Likören vor. Kardamon ist heute noch in Medikamenten enthalten, die die Bildung von Magensäften anregen.
Jürg Stöcklin, Text zur Ausstellung «Wegzehrung - Pflanzen am Lebensweg des Menschen» (1. Juni–29. Sept. 1996)
|