Kolanuss
Cola nitida Schott et Endl. (Sterculiaceae)
Der 9-12 m hohe Kolabaum kommt in den tropischen Regenwäldern Westafrikas als Unterholz vor und wird heute in Westindien, Südamerika und vor allem im tropischen Afrika angebaut.
Die Bäume blühen erstmals nach 6-7 Jahren und liefern während bis zu 100 Jahren Ertrag. Die Sammelfrüchte bestehen aus mehreren 8-12 cm langen Teilfrüchten mit 5-9 pflaumengrossen Samen. Pro Baum und Ernte können bis zu 16 kg Samen geerntet werden.
Die fälschlicherweise als Nüsse bezeichneten Samen werden in Afrika seit Jahrhunderten gegen Hunger, Durst, Müdigkeit oder einfach als anregendes Genussmittel gekaut. Der anfänglich bittere Geschmack im Munde verändert sich beim Kauen durch die Umwandlung von Stärke in Zucker und wird süss; gleichzeitig entsteht aus dem bitteren Kolanin das Kolarot. Als lokales Handelsprodukt kommen häufig die von den Samenschalen befreiten Keimblätter auf den Markt.
Kola spielt im tropischen Afrika auch für medizinische Zwecke und im religösen Leben eine Rolle, wohl vor allem wegen seines betäubenden Effekts. Die stimulierende Wirkung beruht auf dem Gehalt an Coffein und Theobromin. Der Coffeingehalt ist mit 2-3% grösser als im Kaffee. «Kolanüsse» blieben bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Afrikanern vorbehalten und wurden erst später ein bedeutsamer Handelsartikel. Seit ca. 1880 werden sie in Europa und Amerika in Form von Kolawein und Kolaschokolade zunehmend konsumiert. Durch das Erfrischungsgetränk Coca-Cola wurde Kola weltweit zu einem Markenzeichen des «American Way of Life».
Jürg Stöcklin, Text zur Ausstellung «Wegzehrung - Pflanzen am Lebensweg des Menschen» (1. Juni–29. Sept. 1996)
13. Nov. 2004