Der Kathstrauch, ein Vertreter der Spindelbaumgewächse, ist eine alte Kulturpflanze, die heute wenig bekannt ist. Für seine Blätter gebräuchlicher ist die Bezeichnung Abessinientee. Ein einheimischer Verwandter aus dieser sonst vorwiegend tropisch bis subtropischen Familie ist das in unsern Wäldern vorkommende Pfaffenhütchen (Euonymus europaea).
Der Kathstrauch ist eigentlich ein Baum, der von Jemen bis nach Äthiopien und entlang der afrikanischen Ostküste wild vorkommt und dort auch angebaut wird. Die immergrünen, etwas ledrigen Blätter des in Kultur strauchartig gehaltenen Baumes werden frisch oder getrocknet gekaut oder als Tee aufgegossen. Vor der Einführung des Kaffees war dieser Tee das wichtigste Genussmittel der Araber. In Äthiopien wird aus den Blättern Honigwein hergestellt und getrocknete Blätter werden gelegentlich geraucht. Der Geschmack der Pflanze ist süss und bitter zugleich.
Die anregende Wirkung des Tees beruht auf dem Gehalt an mehreren Alkaloiden (Cathin, Norisoephedrin, Cathinin, Cathidin), deren Wirkung einer Kombination von Coffein und Morphin entsprechen soll. In massvollen Mengen beseitigt der Genuss Müdigkeit, Hunger- und Durstgefühle, wirkt belebend und löst euphorische Stimmung aus. Bei grösseren Dosen schlägt die Wirkung allerdings in Benommenheit und Schlaf um und es kann zu Vergiftungen mit Erbrechen, Kollaps und Krämpfen kommen.
Jürg Stöcklin, Text zur Ausstellung «Wegzehrung - Pflanzen am Lebensweg des Menschen» (1. Juni–29. Sept. 1996)
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