Der Teestrauch stammt ursprünglich wohl aus Assam (Hinterindien), kam aber bereits 2700 v. Chr. nach China und ist heute in ganz Südostasien verbreitet. Die Pflanze benötigt ein mildes Klima und hohe Niederschläge. Es handelt sich um einen kleinen Baum, der durch Schnitt strauchförmig gezogen wird. Geerntet werden die jungen Triebe (1 Knospe und 2 Blätter), pro Saison je nach Höhenlage bis zu 15-30 mal von Hand oder maschinell.
Der Geschmack des aufgegossenen Tees ist auf die Alkaloide Coffein und Theobromin, auf Gerbstoffe und ätherische Öle zurückzuführen. Ihr Anteil variiert je nach Alter und Behandlung der Blätter nach dem Pflücken. Frische Blätter werden zuerst in warmer Luft zum Welken gebracht, anschliessend von Hand oder maschinell gerollt. Dabei wird das Gewebe zerrissen und der Zellsaft tritt teilweise aus. Durch anschliessende Fermentation entsteht der Schwarztee. Bei grünem Tee unterbleibt die Fermentation.
In China wird der Teestrauch seit langem angepflanzt - vermutlich ursprünglich als Heil-, später als Genusspflanze. Möglicherweise waren es Mönche, die bei kultischen Nachtwachen die anregende Wirkung der Teeblätter entdeckten. In China entwickelte sich Tee zwischen 600 und 900 n. Chr. zum Nationalgetränk. In Japan gewann Tee etwas später an Bedeutung, wurde aber bereits um 1200 so hoch geschätzt, dass sein Genuss zum Mittelpunkt religiöser Zeremonien wurde. Europa hat durch die Araber vom Tee erfahren. Seit 1630 kam Grüner Tee über Russland mit Karawanen nach Europa und Schwarztee über den Seeweg. Die Engländer waren dem Tee sehr zugeneigt und pflanzten ihn in Indien und Ceylon in grossem Stil an. Diese Länder sind nach China heute noch die weltweit grössten Teeproduzenten.
Jürg Stöcklin, Text zur Ausstellung «Wegzehrung - Pflanzen am Lebensweg des Menschen» (1. Juni–29. Sept. 1996)
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