Die Betelnusspalme ist eine uralte Kulturpflanze, wahrscheinlich in Hinterindien beheimatet. Sie wird in fast jedem Dorf des tropischen Südostasien in erster Linie ihrer Samen wegen angebaut.
Die Palme wird bis zu 30 m hoch, besitzt einen schlanken Stamm und einen Schopf mit 3-4 m langen Fiederblättern. Die gelb bis orangeroten, hühnereigrossen Steinfrüchte enthalten fettreiche Samen, die fälschlicherweise als Betelnüsse bezeichnet werden. Der Samen enthält mehrere Alkaloide, darunter als wirksame Substanz Arecolin, sowie Gerbstoffe, vor allem einen Farbstoff, Arecarot, der sich beim Kauen bemerkbar macht.
Die Sitte des Betelkauens soll vor allem im indomalaiischen Raum seit Jahrtausenden verbreitet sein. Dazu werden die gerösteten oder gekochten Samen in Scheiben geschnitten, mit einem Stückchen Gambir, dem eingedickten Saft eines Kletterstrauchs (Uncaria gambir), Kalkpaste, Zimt und andern Gewürzen gemischt, in die Blätter des Betelpfeffers (Piper betel) gewickelt und gekaut. Arecolin leitet sich vom Nikotin ab. Die leicht narkotisierende Substanz macht das Betelkauen anregend, während die Gerbstoffe den Speichelfluss fördern. Betelkauen soll zur Stärkung des Zahn- und Gaumenfleisches führen und Eingeweidewürmer abtöten. Früher wurden Betelsamen Besuchern zusammen mit Wasser als Willkommmensgruss angeboten.
Jürg Stöcklin, Text zur Ausstellung «Wegzehrung - Pflanzen am Lebensweg des Menschen» (1. Juni–29. Sept. 1996)
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