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Wir kennen das Alter unserer Agave americana nicht genau. In den 60er-Jahren war sie bereits als Topfpflanze in Kultur. Ausgepflanzt wurde sie 2003. Dieses Jahr blüht sie. |
| Century plant |
Agave americana ist eine der grössten unter den etwa 200 Agaven-Arten. Sie stammt aus Mexiko und den Südstaaten der USA. Die Art kam bereits im 16. Jh. nach Europa und ist heute in vielen Trockenregionen eingebürgert, so auch im Mittelmeerraum (Bilder 11 und 12). Weil man annahm, dass die Pflanze erst nach 100 Jahren blüht, heisst sie englisch «Century Plant». So lange brauchen Wildpflanzen allerdings nicht, sondern etwa 10-12 Jahre. |
| Unsere Pflanze |
Unsere Pflanze steht vor dem Tropenhaus. Sie ist nach dem Auspflanzen innert 5 Jahren etwa so viel gewachsen wie vorher während 40 Jahren im Kübel. Sie ist ziemlich anspruchslos und soll Fröste bis -8° C ertragen. Natürlich wäre sie in jedem kalten Winter erfroren, wenn sie nicht jedes Jahr ein Überwinterungshäuschen mit Frostschutzheizung erhalten hätte. |
| Grosse Seltenheit |
Dieser Aufwand hat sich nun gelohnt: blühende Agave americana sind nicht nur ausserordentlich imposant - sie sind nördlich der Alpen auch eine grosse Seltenheit. In Kew Gardens (London) hat 2010 ein Gewächshausexemplar geblüht. Dafür musste das Dach des Gewächshauses geöffnet werden. Dieses Jahr blüht im Hofgarten von Ansbach (BRD) eine Kübelpflanze, die in der Orangerie überwintert wird. Bisher ist uns nur ein einziges ausgepflanztes und blühendes Exemplar nördlich der Alpen bekannt geworden: im Jahr 2000 in einem Privatgarten in der Region Nürnberg. Quelle: K. Eckert Weitere Hinweise nehmen wir gerne entgegen. |
| Blätter |
Die blaugrauen Blätter sind teilweise über 2 Meter lang und an den Enden oft verdreht (5). Sie waren im Frühling prall voll mit Wasser und Speicherstoffen, vor allem Zucker. Beides wurde inzwischen in den Blütenstand verlagert, wodurch die Blätter massiv geschrumpft sind. |
| Blütenstand |
Der junge, aufwachsende Blütenstand sah zunächst aus wie eine überdimensionierte Spargel (6). Am 3. Mai war er 2.70 Meter hoch (1), am 22. Mai 4.30 Meter (2) und am 29. Juni 7.70 Meter (3). Das bedeutet rund 10 cm Zuwachs pro Tag während der maximalen Wachstumsphase.
Die maximale Höhe von 8.20 Meter wurde am 12. Juli erreicht. Danach hat sich der Blütenstand leicht geneigt, so dass am 24. Juli nur noch 8.10 Meter gemessen wurden (4). Schräg stehende Blütenstände sind auch bei Wildpflanzen keine Seltenheit, vor allem an Felsstandorten.
Diagramm zum Wachstum des Blütenstandes |
| Schaft |
Der Schaft des Blütenstandes besteht nicht aus massivem Holz wie ein Baumstamm. Er ist krautig, aber durchzogen von unzähligen zähen Fasern, ähnlich wie ein Maisstengel. Auf Brusthöhe beträgt sein Umfang 51 cm (Durchmesser 16 cm). Aufgrund von Volumenberechnungen schätzen wir das Gewicht des gesamten Blütenstandes auf 50-60 kg. |
| Blüten |
In den dreieckigen Hochblättern (7) entstehen die Seitenäste (8), die am 3. Juni sichtbar wurden und anschliessend die typischen horizontalen Etagen ausgebildet haben (9). Der Blütenstand umfasst insgesamt 7'000 grüngelbe Blüten. Diese stehen aufrecht und dicht gedrängt in Gruppen von 150-300.
Zuerst erscheinen die langen, gelben Staubblätter (10), danach Griffel und Narbe. Die Blütenhülle bildet ein geschlossenes Krönchen, das mit ausserordentlich viel Nektar gefüllt wird. Bedingt durch die ausserordentliche Juli-Kälte haben sich die ersten Blüten erst am 22. Juli geöffnet. Eine gelbe Welle mit offenen Blüten wird nun voraussichtlich im Lauf von vier Wochen von unten nach oben durch den Blütenstand laufen. Am 12. Aug. besteht im Rahmen unseres Agaventages die Möglichkeit, die Blüten in luftiger Höhe und aus nächster Nähe von einer Hebebühne aus zu beobachten. |
| Bestäuber und Früchte |
Unter Wildbedingungen werden die Blüten von Kolibris und anderen Vogelgruppen besucht, ferner zahlreichen Insekten. Der Nektarreichtum soll sogar Ratten anlocken. Trotz des breiten Bestäuberspektrums setzen nur etwa 10% der Blüten Frucht an. Üblich sind 600–700 Kapseln, die insgesamt 25‘000 Samen enthalten. |
| Rosetten |
Die Hauptrosette stirbt nach der Blüte ab. Die Tochterrosetten stehen mehr oder weniger dicht an der Mutterpflanze. Will man die Pflanze vegetativ vermehren, so lassen sie sich leicht abtrennen. Lässt man sie stehen, dann resultiert ein undurchdringliches Dickicht (11). |
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Text Heinz Schneider |