Akademischer Alpenclub Basel100 Jahre Alpinismus 80 Jahre AACBS |
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Die in Mundart an der Weihnachtsversammlung 1998 gehaltene Rede ist nachträglich in Schriftsprache aufgezeichnet und mit Literaturhinweisen ergänzt worden
Hans Baer
Gottlieb Studer [7], Berner Notar und Regierungsstatthalter, forschender Topograph und Panoramenzeichner, ersteigt 1843 das Wildhorn.
Der Berner Patrizier und Bergingenieur Edmund von Fellenberg [8] nimmt den Wettbewerb mit den sportlichen Ausländern auf: 1856 besteigt er den Wildstrubel. Die Engländer haben nämlich rund die Hälfte der hohen Gipfel "erobert" und erklären die Alpen zum Spielplatz Europas. Neben ihnen und in ihrem Dienst entwickeln sich die einheimischen Bergführer zu Extremalpinisten.
In bewusstem Gegensatz dazu ruft der Berner Geologe Theodor Simmler 1862 zur Gründung des Schweizer Alpenclub auf. Simmler findet es beschämend, "wenn das Publicum in der Schweiz über die Regionen des ewigen Schnees und Eises, über die Zugänglichkeit der Gletscher und Felsengipfel sich aufklären will, es zu den Beschreibungen des englischen Alpenclubs greifen muss." Der SAC wird 1863 in Olten gegründet mit der Aufgabe, unsere Alpen topographisch zu erkunden, wissenschaftlich zu erforschen, bekannt und zugänglich zu machen.
1865: Edward Whymper, englischer Bildreporter, gewinnt den Wettlauf auf das Matterhorn über den Hörnligrat. Der Abstieg wird zur Katastrophe. Jean Antoine Carrel kommt über den Italienergrat nur zu einer Zweitbesteigung.
In den folgenden Jahrzehnten werden die Alpen im Stil klassischen Bergsteigens mit immer schwereren Routen erschlossen: Eiger, Dom, Dent Blanche usw. Im Alpinismus sind die grossen Taten getan, doch warten noch einige schwierige Aufgaben darauf, im nächsten Jahrhundert von "Extremisten" gelöst zu werden.
Die rasche Verbreitung des Bergsteigens und seine Demokratisierung ist an den Mitgliederzahlen des SAC abzulesen:
| Jahr | Anzahl SAC Mitglieder | Wohnbevölkerung CH |
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| 1863 | rund 260 | 2,5 Millionen |
| 1900 | rund 6000 | 3,3 Millionen |
| 1911 | rund 12000 | 3,8 Millionen |
Und ausserdem: Neben die "bürgerliche" Sektion Uto des SAC in Zürich tritt 1905 auf "Arbeiterseite" der Touristenverein "Naturfreunde Zürich".
Schon vor der Jahrhundertwende führt die Eisenbahn nicht nur in Tunneln durch die Alpen, sondern auch auf die Berge hinauf. Die touristische Ausbeutung der Alpenlandschaft zeichnet sich ab: um 1860 wird die Zahl der Rigireisenden auf 30000 jährlich geschätzt, 1873 fährt die Zahnradbahn von Vitznau nach Rigi-Kulm. 1893 wird die Wengernalpbahn eröffnet. Zur Fortsetzung auf das Jungfraujoch reicht der Zürcheroberländer Industrielle Adolf Guyer-Zeller ein Konzessionsgesuch ein. Bergbahnen und Hotelwesen gelten bei vielen Zeitgenossen aber als Verschandelung der Alpenwelt. Andreas Fischer [9], Lehrer und Bergführer, Literat, Wintererstbesteiger des Finsteraarhornes, 1895 unterwegs zum Mönch über das Jungfraujoch: "Noch gab es keine Jungfraubahn, noch glaubte hierherum kein Mensch an die bevorstehende Greueltat." Dem Fortschrittsglauben und der Technikfreude widerfährt gegen Ende des Jahrhunderts herbe Zivilisationskritik. Es gibt das Schlagwort "Lebensreform": Sie wird z.B. auf dem Monte Verità sopra Ascona im esoterischen Kreis praktiziert. Symbolismus und Jugendstil sind europäische Kunstrichtungen. Neuromantische Ideen wirken in allen Jugendbewegungen: 1907 wandert der ein Jahrzehnt zuvor in Deutschland gegründete "Wandervogel" in die Schweiz ein, seit 1911 gibt es Schweizer Pfadfinder. In diesem Umfeld darf man die Gründungen von Akademischen Alpenclubs sehen.
Hans Dülfer, der Kletter- und Seiltechniker und Willo Welzenbach, der Steileistechniker, gehören dem 1892 gegründeten Akademischen Alpenverein München an.
1896 gründen Medizin- und Ingenieurstudenten der beiden Zürcher Hochschulen den Akademischen Alpenclub Zürich. Als Ergebnis der von seinen Mitgliedern mit Führern oder führerlos unternommenen Entdeckungstouren erscheint bereits 1905 im Verlag des SAC der "Führer durch die Urneralpen" [10].
1905: Akademischer Alpenclub Bern. Aus Lust an der Erschließung eines clubeigenen Spezialgebietes wird 1913 im Ochsental eine Hütte gebaut und bereits 1914 der "Clubführer durch die Engelhörner" [11] im Eigenverlag veröffentlicht. Urneralpen und Engelhörner sind Nischengebiete abseits des Fremdenverkehrs, für den mit der Eisenbahn nicht nur die Täler, sondern auch die Höhen erschlossen werden: 1898 Gornergrat, 1912 Jungfraujoch.
1938: Gwasmet - PucherWilly Preiswerk berichtete 1954 über eine Sektionstour SAC Basel und beschrieb die "Pucherplatte" als "eine grosse, flache Kalkplatte von etwa 50° Neigung, besonders eindrucksvoll, weil ihr unterer Rand ins Leere zeigt."Archiv AACBS, Photo W. Preiswerk |
Unser AAC ist am 18. Februar 1918 von Studenten gegründet worden mit dem Zweck, Sommer- und Winterbergsteigen im Freundeskreis zu pflegen. Von den 11 Gründern sind deren 6 zeit ihres Lebens dem Club treu geblieben: Zwei Juristen: Hans Schnyder und Hans Stumm; zwei Phil-einer: Jaques Mosimann und Fritz Weiss; zwei Mediziner: Arved Punschel und Heinrich Kern. Einige Gründer sind schon berggewohnt und haben Touren mit Bergführern unternommen, zwei sind SAC-Mitglieder. SAC-Sektionstouren liegen ihnen nicht, sie wollen - und müssen schon wegen dem Portemonnaie - führerlos gehen.
Die Führerlosen aber haben keinen Kredit beim SAC, der ihr Gesuch um Gleichberechtigung in den Hütten ablehnt. Darum gehen sie 1919 auf die Suche nach Hüttenplätzen ins Baltschieder- und Turtmanntal und auf den Grialetschpass. Das ist verständlich, wenn man auf das Gegenrecht schielt, tollkühn aber mit Blick auf die leere Clubkasse.
Der AAC Basel organisiert von 1927-31 die Akademiker-Skirennen der Universität, erst auf dem Feldberg im Schwarzwald, dann am Moron im Jura. In den Wintern 1934, 1935 und 1938 veranstaltet der Club den "50km-Tourenlauf rund um Moutier", einen Parcours mit 2500 m Aufstieg und Abfahrt, ausgeheckt von Clubkamerad Walter Rebsamen, dem Verfasser der Juraskikarte. Wegen Schneemangel, aber auch aus der Einsicht, dass die Veranstaltung von Skisportfesten nicht zu den Kernaufgaben unseres Clubs gehöre, ist der Lauf nicht mehr durchgeführt worden.
| Chlyne Diamantstock | Gross Diamantstock |
Archiv AACBS, Photo W. Preiswerk
Die Ergebnisse der Erkundung: Erstbegehung Diamantstock-Ostgrat, Hiendertelltihorn-Ostgrat, Chly Diamantstock-Nordgrat überzeugen uns [13], [18], [19]. Auf einer Clubtour im November 1937 wird der Hüttenplatz "auf einer in den Gletscher hineinragenden Felsenhalbinsel unmittelbar hinter dem berüchtigten Gletscherseelein" festgelegt. Clubpräsident Willy Preiswerk, Ingenieur, projektiert das Bivacco, konstruiert das Eisengerippe und lässt es in seinem Betrieb vorfabrizieren. Samt Kupfer- und Eternitplatten wird es auf Saumtieren zum Hüttenplatz gebracht, wo Handwerker aus Guttannen das Fundament erstellt haben. Im Herbst 1938 wird das erste schweizerische "Bivacco fisso" eingeweiht, mit 5, notfalls 3 zusätzlichen (Hängematten-) Schlafplätzen.
Gross-Diamantstock-OstgratDie Erstbegehung 1937 war eine Erkundungstour im Gebiet des Gruebengletschers, bei dem der AACBS das erste schweizerische Bivacco fisso und später die Gruebenhütte baute. Der Bericht über diese Besteigung erschien in der Festschrift "25 Jahre Akademischer Alpenclub Basel 1918-1943" Seither hat der Gletscher abgenommen, die Bergsteiger, unterwegs zu den ihn umgebenden Gipfeln haben zugenommen, und Diamantstock und Hiendertelltihorn sind in die Auswahl der "100 schönsten Touren" im "Berner Oberland" (Hans Grossen, 1982) aufgenommen. Archiv AACBS, Photo W. Preiswerk |
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1931 Matterhornnordwand. Die beiden Erstbesteiger werden später vom "Führer und Reichskanzler" Adolf Hitler mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
1935 Grandes Jorasses-Nordwand über den Croz-Pfeiler, 1938 über den Walker-Pfeiler. Heckmair hat die Wand 1928 zu durchsteigen versucht.
1938 Eigernordwand [15], [16]. Andreas Heckmair und seine Gefährten sind erfolgreich. Vorausgegangene Durchstiegsversuche haben acht Todesopfer gefordert.
Im AAC gibt es grosse Diskussionen. Nicht über die alpinistische Leistung, aber über Antrieb und Sinn solcher Unternehmen: Nationales Prestige und Naziideologie sind deutlich genug. Die deutsch-österreichische Seilschaft hat ihren gewagten Aufstieg durchaus als ein Unternehmen zu Ehren des Führers Adolf Hitler erklärt. Das will sie in späteren Zeiten nicht mehr wahr haben.
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1938: Aiguilles des Drus, Petit DruCabane de Charpoua, in der 12 Jahre später eine AACBS - Seilschaft einen Blitzeinschlag überlebte (Siehe: W. Preiswerk, Un coup de foudre à la Cabane de Charpoua. Die Alpen 1952, I, 206)Archiv AACBS, Photo W. Preiswerk |
1950: Aiguilles de Chamonix, Le GréponW. Preiswerk ("Prisi") am Einstieg zum Mummery-RissArchiv AACBS, Photo Walter Vögtli |
Die ersten 25 Jahre Clubgeschichte [18] werden in einer kleinen Jubiläumsschrift festgehalten und 1943 veröffentlicht, "weil wir aus finanziellen Gründen auf die Herausgabe eines Jahresberichts verzichtet haben". Da der SAC-Clubführer für die Berner Alpen veraltet ist, stellen wir Touren aus unserem Spezialgebiet zusammen: "Kleiner Führer zum Gebiet des Grubengletschers".
Inhalt:
Im Aktivdienst treffen sich Basler AACler in Sommer- und Winterhochgebirgs-Kursen der Armee mit Angehörigen des Berner- und Zürcher AAC und mit SAC-Kameraden. Wir bilden zuweilen - an dienstfreien Sonntagen - "Interclub-Seilschaften für private Besteigungen." An den Werktagen aber sind wir, als "zivile Bergsteiger" neben den Berufsbergführern aufgeboten, Ausbildner in den Kursen, die zur Steigerung der Gebirgstüchtigkeit der Truppen organisiert werden. Infolge der Réduitstrategie General Guisans erhalten nämlich auch Feldarmeetruppen ihre Einsatzräume im Berggebiet.
Die Kriegstechnologie hat neue Verfahren und Werksstoffe hervorgebracht, die in den Nachkriegsjahren die Alpintechnik vorwärtstreiben: höher beanspruchbare Metallegierungen für Haken, Karabiner, Klemmkeile, Steigklemmen, Steigeisen, reissfestere und geschmeidigere Nylonseile, Profilgummisohlen, Schalenschuhe, Nahrungsmittel in Trockenform.
Nach Kriegsende holen wir Touren im Grenzgebiet und im Ausland nach: 1946 an Ostern Aiguille d'Argentière, 1948 Montblanc-Traversierung mit Ski, 1950 Aiguilles de Chamonix.
Archiv AACBS, Photo W. Preiswerk
Montblanc - Traversierung 1948Chamonix - Dent du Réquin - Cabane Aiguille du Midi - Montblanc de Tacul - Mont Maudit - Montblanc (17 Uhr) - Bivouac du Montblanc - Chamonix Archiv AACBS, Photo John Haller |
Für rund 14'000 Franken sind 14 Schlafplätze geschaffen worden, mit der Biwakschachtel stehen insgesamt 22 Plätze zur Verfügung. (Näheres zur Hütte siehe Artikel über die Gruebenhütte)
1988 Erweiterung der GruebenhütteHatten 1937 Säumerkolonnen die Elemente des Bivacco fisso über den Gletscher gebracht, flogen später Helikopter das Material zum Hüttenplatz.Archiv AACBS, Photo Walter Vögtli |
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Mit dem Nordanbau wurden auch die älteren Hüttenteile durch das neue Dach überhöht.
Archiv AACBS, Photo Andreas Schubarth (mit freundlicher Genehmigung) |
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1989 Einweihung der erweiterten GruebenhütteNäheres zur Hüttenbaugeschichte siehe [26] Archiv AACBS, Photo Albert Gast |
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Das Fernweh befällt den AAC 1965: Es reisen 13 Clubkameraden nach Norwegen, in den Polarkreis: Die Lyngen Alpen [20], [21] sind zwar kein Neuland, von Erstbesteigungen ist nicht zu berichten, von neuen Routen vielleicht, aber von prächtigen Bergfahrten in diesem arktischen Urgesteinsgebiet. Die Ergebnisse der Expedition hat Johann Jakob Jenny in der Festschrift "50 Jahre Akademischer Alpenclub Basel 1918 - 1968" [22] zusammengefasst. Über eine Zweier - Clubtour auf den Mount Olympus im äussersten Nordwesten von Washington (State) berichtet Gerhard Pohl am angeführten Ort.
Nicht an der Feier des 50-Jahr-Jubiläums mit offiziellen Gästen, aber im gleichen Jahr 1968 werden die ersten zwei Studentinnen in unseren Club aufgenommen.
1969 häufen sich die Klagen über den miserablen Zustand der Bifertenhütte und über den ungenügenden Besuch der Clubmitglieder. Der Bündner Hans Randegger wird neuer Hüttenchef, findet ein neues Hüttenwartehepaar - und 1970 berichten die "Jungen" in einer schmalen Schrift über die fronarbeitsreiche, geglückte Renovation [23].
Eine kleine AAC-Gruppe unternimmt im Frühjahr 1972 eine Ski - Expedition in den mittleren Hohen Atlas und besteigt in Marokko den (immerhin) 3730 m hohen Ari N Ayachi. Im gleichen Jahr zeigt unser Clubfreund Hans- Ruedi Kölz "phantastische Bilder aus dem Hindukusch, den er als Teilnehmer an der Expedition des AAC Zürich besucht hat". Damit ist auch ein gewisser Abstand zwischen Zürich und Basel markiert. Zum Trost berichtet dann Peter Graf von seiner Kilimandscharo-Tour.
In unseren Köpfen ist der Ausbauplan längst vorhanden, in der Kasse aber kein Geld. Das kommt dann vom EMD als zweite Entschädigung für die Sperrungen der Bifertenhütte. Clubgründer Hans Schnyder sichert die Finanzierung mit einem Legat.
Die Hüttenbaukommission mit Willy Preiswerk, Beat Hirt und Andreas Schubarth plant und baut. 1975 kann die erweiterte Hütte am Gruebengletscher, östlich des Hiendertelltihorns eingeweiht werden. Denn so heissen hinfort - seit der 1969er Ausgabe des Blattes 1230 Guttannen der 25'000 - Landeskarte - der Grubengletscher und das Hühnertälihorn. Es ist dies eine Folge der 1938 besiegelten Viersprachigkeit der Schweiz und die Ausführung des Bundesbeschlusses, die Nomenklatur der Landeskarte den Dialekten zurückzugeben und die allzu unbekümmerte Verdeutschung von Orts - , Flur - und Bergnamen im alten Siegfriedatlas rückgängig zu machen. So begegnet uns der geistige Alpenschutz im Kartenbild.
Nachwuchsprobleme und Finanzierungssorgen für die dringliche Renovation der Bifertenhütte lassen Diskussionen aufkommen, ob man Biferten verkaufen solle, ja sogar, ob der Club aufzulösen sei. Unnötig wie sich herausstellt, denn ein Spendenaufruf bringt verbindliche Zusagen von Altmitgliedern. Im Februar 1983 beschliesst eine ausserordentliche Versammlung aufgrund des Projektes von Andrea Appiani und Hans Randegger die Vollrenovation, genehmigt dazu einen Kostenrahmen von 50'000 Franken. Die kleinere Hälfte soll der Clubkasse entnommen, der grössere Teil durch Spenden aufgebracht werden. Im Juli 1983 wird die erneuerte Bifertenhütte [24] eingeweiht. Joggi Jenny, dienstältester Aktiver, hält in seiner Dankesrede fest, die gemeinsame Anstregungen der jungen und alten Mitglieder habe sich als Prüfstein für Überlebenswillen und Lebenskraft des AAC Basel erwiesen.
Die verstärkte Werbung an der Universität kommt offensichtlich an: es bewerben sich gleich ein Dutzend Interessenten um die Mitgliedschaft. Im Sommertourenprogramm 1984 sind 16 Termine, 6 mal mit Bergführern ohne Zielangaben vorgemerkt. Nachbemerkungen über die Durchführung fehlen im Jahresbericht.
Auf der Suche nach der Gruppenidentität unseres AAC, der durch seine Dynamik allmählich alternativ und chaotisch zu werden droht, fragt Präsident Alex Zbinden 1986 in einem Rundbrief: Wie kann der Club wachsen und trotzdem seine Qualitäten behalten, nämlich Kleinheit und persönliche Atmosphäre? Joggi Jenny [25] verfasst eine Kürzest-Clubgeschichte, weil er die Clubgeschichte für die Grundlage der Clubkultur hält.
Als sichtbares Zeichen der neu-alten Corporate Identity wird ein neues Signet eingeführt. Es ist das Dritte. Später wird auch der Mitgliederausweis für die Umgestaltung reif, weil der Vordruck für die Namenszeile bloss auf "Herr..." lautet.
Grösseren Aufwand verlangt die Gruebenhütte. Es fehlt ein Hüttenwartraum, die Verkehrsflächen sind den weiter gestiegenen Besucherzahlen nicht mehr angemessen. Darum wird eine Projektierungskommission eingesetzt: Andrea Appiani, Walter Hälg, Beat Hirt, Andreas Schubarth und zugleich ein Kredit von CHF 40'000 .- gesprochen.
Das Angebot in den Tourenprogrammen enthält jetzt ausser bergsportlichem Konditionstraining, Klettertraining im Jura, Sommer- und Winterbesteigungen neue polysportive Aktivitäten: Velotouren, Kanufahrten, Camping and Climbing, Sportklettern in der Halle in Weil am Rhein.
Die Auseinandersetzung zwischen Technikern und Puristen findet überall statt, auch bei uns. Unverkennbar sind die Auswirkungen gesellschaftlicher Wandlungen: Klettern lernt man nicht mehr in den Gebirgen, sondern in stadtnahen Felsgebieten. Da übt sich eine junge Kletterergeneration strenger Observanz. Für das Freeclimbing genügt die auf Welzenbachs Bewertung aufgebaute Alpenskala von I bis VI nicht mehr. Bis 1990 wird das Bewertungssystem von der UIAA auf den 10. Schwierigkeitsgrad ausgedehnt.
Schöne und nahe Beispiele für die Entwicklung des Klettersports liefern die SAC - Clubführer für den Jura [30], [31]:
1966: Guide d' escalades dans le Jura. Zum Bd. 2 Moutier, Raimeux steuerte Willy Preiswerk etliche Routenbeschreibungen bei.
1987: Sportkletterführer Jura , Hg. von Hanspeter Sigrist.
Seither haben weitere Spezialisten Kletterführer [32 35] erarbeitet. Daraus lässt sich einerseits die gewaltige Breitenentwicklung des Klettersports ablesen und anderseits die beeindruckende Steigerung des Schwierigkeitsgrades der Neurouten erkennen, mit denen geradezu neue Massstäbe gesetzt werden.
In den Achtzigerjahren wird Sportklettern d.h. das Begehen schwierigster Routen sozusagen wetterunabhängig. Das Klettern an der künstlichen Kletterwand in der Halle dient nicht nur einem funktionalen Training, sondern entwickelt sich - seiner aesthetischen und athletischen Qualitäten wegen - zum Schausport und zum Wettkampfsport. Die UIAA erlässt ein Reglement für den Kletterwettkampf. 1992 führt die Swiss Freeclimbing Association im Zürcher Hallenstadion die Wettkämpfe um den Weltcup durch.
Im Juni weihen wir im Kreis der Clubmitglieder die zum 2.Mal erweiterte Gruebenhütte [26] ein: die Urhütte von 1950, der Ostanbau von 1975 sind samt dem Nordzubau von 1988 unter einem Dach vereinigt, in klarer Raumgliederung und freundlicher Ausstattung gestaltet von Clubarchitekt Beat Hirt.
Zudem hat Walter Hälg die Solaranlage nicht nur geplant, sondern auch eigenhändig installiert. Dies darum, weil er als Emeritus nicht mehr wie 25 Jahre zuvor, seine Institutsmitarbeiter von der ETH-Reaktorforschung aufbieten kann, wie zum seinerzeitigen Bau von Wasserleitung und Brunnen. Die Neubaukosten belaufen sich auf Fr.57000, die durch Spenden der Clubmitglieder und Belastung der Clubkasse je zur Hälfte getragen werden. Dazu kommen unverrechnete Leistungen von Clubfreunden von schätzungsweise Fr. 20000 für Projektierung, Elektrifizierung, Fronarbeit. Die Materialtransporte sind als Übungsflüge von Armeehelikoptern unverrechnet durchgeführt worden.
Am Ende seines ersten Präsidialjahres präsentiert Patrick Dagassan den Vielautoren-"Jahrestouren-Bericht 1997" [27]. Darin ist nicht nur von Novemberkletterei im Valle Maggia, Dezember-Iglupläuschen auf dem Grand Ballon d'Alsace, Neujahrsskitouren auf Biferten, März-Lawinenniedergang am Madone, Eiskurs am Tiefengletscher, Ausbildungstourenwoche auf Grueben und von allerlei "richtigen Bergbesteigungen" die Schreibe, sondern auch von Falken- und Steinwildbeobachtungen und Museumsbesuchen unter kundiger Führung von Clubfreunden.
Im Jubiläumsjahr ist die junge Vorstandsseilschaft bereits so keck, wieder an den Statuten zu basteln. Der Ökonom, der nun die Rechnung führt, findet goldene Worte zum Thema "Vertrauen". So wird diskussionslos die leistungshemmende Kollektivunterschrift in die effiziente Einzelprokura umgewandelt. und der altmodische Quästor 150; ein Name, den sowieso niemand mehr verstehe 150; wird zum modernen Kassier umgetauft. Gewaltige Redeschlachten erzeugt der Vorschlag, einen Teil des Clubvermögens in einen Anlagefonds einzulegen. An der Frage, ob dies ein "spekulativer Indexfonds" sein soll, oder ein minder rentabler "grüner Oekofonds" erhitzen sich die Gemüter in bester AAC-Tradition interdisziplinärer Diskurse.
Es entwickelt sich eine Oeko - Ethik des Alpinismus. Der Widerstreit zwischen Bedrohung und Schutz der Gebirgslandschaft erhöht den Symbolwert der Berge: Sie gewinnen als Wahrzeichen ursprünglichen Lebens und urtümlicher Wildnis neue Ausstrahlung und neue Wertschätzung. Der Sinn für die Schönheit des Chaotischen wächst, die Einsicht in den Nutzen des Ungenutzten dämmert auf und mit ihr die Vision des gepflegten Chaos.
Vielleicht mündet unser Zeitalter des wirklichen Bergsteigens in die Aera des virtual mountaineering im Cyberspace mit Data Gloves, Eyephones, Datasuit? Das wäre doch vollkommen unschädlich für die Berge, absolut risikolos für die Abenteuerlustigen, bequem wie nie zuvor für die Gebirgslandschaftskonsumenten?
Beim Eintippen des handschriftlichen Manuskriptes haben geholfen (alphabetisch geordnet):
Herzlichen Dank
Aufbereitung fürs Web und Navigation: Gian Vasta
Literatur [1] Bonington, Chris. Triumph in Fels und Eis. Die Geschichte des Alpinismus. (The Climbers, 1992) Stuttgart 1995. [2] Frison-Roche, Roger, et Sylvain Jouty. Histoire de l'Alpinisme. Paris 1996. [3] Schmidt, Aurel. Die Alpen - Schleichende Zerstörung eines Mythos. Zürich 1990. [4] Walter, François. Bedrohliche und bedrohte Natur. Umweltgeschichte der Schweiz seit1800. (Les Suisses et l'environnement, 1990) Zürich 1996. [5] Saussure, Horace Bénédict de. Voyages dans les Alpes. Neuchâtel 1779-1796. Réimpression; avant-propos de Yves Ballu. Vol. 1-4. Genève 1978. [6] Meyer, Johann Rudolf und Hieronymus Meyer. Reise auf den Jungfrau-Gletscher und Ersteigung seines Gipfels. Aarau 1811. [7] Studer, Gottlieb. Über Eis und Schnee. Die höchsten Gipfel der Schweiz und die
Geschichte ihrer Besteigung. Abt 1: Berner-Alpen, Abt. 2: Walliser-Alpen.
Bern 1869-1870. [8] Fellenberg, Edmund von. Der Ruf der Berge. Die Erschliessung der Berner Alpen.
Gesammelt u. mit Lebensbild versehen v. Ernst Jenny. Erlenbach, Zürich 1925. [9] Fischer, Andreas. Hochgebirgswanderungen in den Alpen und im Kaukasus. Hg., mit Lebensbild und Bericht der letzten Fahrt versehen v. Ernst Jenny. Frauenfeld 1913. [10] Führer durch die Urner-Alpen. Verf. v. Akademischen Alpen-Club Zürich. Hg. v. Schweizer Alpen-Club. Bd. 1,2. Zürich 1905.
Neueste Ausgabe: Führer durch die Urner-Alpen, Verf. v. AACZ. Bd. 2: Urner Alpen West. Aufl. 7. Zürich 1980. [11] Clubführer durch die Engelhörner verf. durch den Akademischen Alpenclub Bern. Bern 1914.
Neueste Ausgabe. Ochsner, Kaspar. Engelhörnerführer. 5. überarb. Aufl. Bern: AAC Bern 1990. [12] Ragaz, Leonhard. Die neue Schweiz. Ein Programm für Schweizer und solche, die es werden wollen. 2. verb. Aufl. Olten 1918, S. 25, 27, 49. [13] Preiswerk, Wilhelm. Das Hühnertälihorn 3179 m. Seine Zugänge vom Grubengletscher und der erste Aufstieg durch die Nordost-Wand. In: SAC Sektion Basel Jahresbericht 1948, S. 8-13. [14] Heckmair, Andreas. Die drei letzten Probleme der Alpen: Matterhorn-Nordwand, Grandes Jorasses-Nordwand, Eiger-Nordwand. München 1949. [15] Um die Eiger-Nordwand. Andreas Heckmair, Ludwig Vörg, Fritz Kasparek, Heinrich Harrer. München 1938. [16] Eiger - Die vertikale Arena. Hg. v. Daniel Anker. Zürich 1998. [17] Schweizerische Stiftung für alpine Forschungen 1939-1970. Rückblick auf ihre 30jährige Tätigkeit. Zürich 1972. [18] 25 Jahre Akademischer Alpenclub Basel 1918-1943. Basel 1943. [19] Akademischer Alpenclub Basel: Kleiner Führer zum Gebiet des Grubengletschers. Basel 1943. [20] Akademischer Alpenclub Basel: Bericht über die Norwegen-Expedition 1965. [21] Jenny, Johann Jakob. Erinnerungen an einen Norwegen-Sommer. Separatabzug aus "Ciba-Blätter" Nr. 204-206, Juli-Dez. 1966. [22] 50 Jahre Akademischer Alpenclub Basel 1918-1968. Basel 1968. [23] Akademischer Alpenclub Basel: Die Renovation der Bifertenhütte 1970. [24] Akademischer Alpenclub Basel: Renovation der Bifertenhütte 1983-1984. [25] Akademischer Alpenclub Basel: Jenny, Johann Jakob. Vom AAC Basel. Januar 1986. [26] Akademischer Alpenclub Basel: Baer, Hans. Festrede zur Einweihung der erweiterten Gruebenhütte 17. Juni 1989. [27] Akademischer Alpenclub Basel: Frick, Martin & Patrick Dagassan. Jahres-Tourenbericht 1997. [28] Chouinard, Yvon. Eisklettern (Climbing ice, 1978). Pforzheim 1981. [29] Funk, Gabi. Weniger ist mehr. Die amerikanische Bergsteiger-Legende Yvon Chouinard. NZZ 12.11.1998, Nr. 263, S. 71. [30] Brandt, Maurice. Guide d'escalades dans le Jura. Genève: CAS 1966
Vol. 1: Ste-Croix, Val de Travers, Chaux-de Fonds, Doubs, Sommêtres, Bienne
Vol. 2: Moutier, Raimeux, Soleure, Bâle, Olten. [31] Sigrist, Hanspeter. Sportkletterführer Jura. Basel, Solothurn, Olten, Aarau. Chur: SAC 1987. [32] Känel, Jürg von. Jura Plaisir. Reichenbach 1993. [33] Brunner, Martin und Irene Roth. Jura Vertical. Langendorf 1994. [34] Fluebible. Kletterführer Basler Jura. Binningen 1997. [35] Frick, Christian. Klettern im Dreiländereck. Hg.: Philipp Schweizer. Freiburg i.Br. 1998. [36] Meyer, Jürg. Klettern und Naturschutz in der Schweiz. Heutige Lage und Zukunftsperspektiven. Die Alpen 73 (1997) 3, S.44-49.
Inhalt zu Literaturangabe 22:
- Zum Geleit, Andreas Schubarth
- 50 Jahre Akademischer Alpenclub Basel - Rückblick eines Gründers, Hans Stumm
- Die Hütten des AAC Basel in den letzten 25 Jahren: Bifertenhütte / Grubenhütte, W. Preiswerk
- "Unsere Expedition" (in die Lyngenalpen), Joh. Jak. Jenny
- Gedanken über den Sturz ins Seil, Wilhelm Preiswer
- Mt. Olympus und der Regenwald, Gerhard Pohl
- Mitgliederverzeichnis
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